Der Garten war leer.

Sie umgingen torkelnd die Drähte, die mit einem Mal sie nicht mehr hemmten.

Hinter ihnen hielt Shanvadys perlgrauer Wagen, der Chauffeur stand mit dem Hut in der Hand am Schlag. Sie stiegen fluchend hinein. In einer großen Schleife fuhren sie nach dem Schloß. Einmal hielt der Wagen. Da lag ihr Boot am Fluß.

Noch zweimal hielt er.

Jedesmal kam aus der Landschaft ihr erster Dialog. „Chéri . . . mon ami.“ „Wie lange bist du da?“ Pause. „Wie lange bleibst du da?“ „Fragen Sie Maman.“

Dreimal warf entsetzt Juju die Arme um Harris Hals: „Mon ource . . . mon rigolot . . . mon grand bébé.“ Aber sie zitterte nur wegen dem Wort „Maman“.

Harri lag im Wagen. Er überlegte nicht, was an Geheimnissen die Nacht füllte: Welche Frau Shanvady verstecke, welche Technik er zu solchem Bluff ersonnen, wie er ihn gefangen, wie er ihn gereizt und düpiert. Er ahnte nicht, wie weit der Kreis um ihn geschlungen, in dem er sich verwirrt. Er spielte nur mit Jujus Hand, es war ihm gleich.

Das Schloß war erleuchtet. Auf der Diele erwartete er Juju, die sich umzog, auf der Treppe küßte er ihrer Mutter die Hand, die sofort hinter dem Fächer mit ihm kokettierte, was Juju errötete. Im Billardsaal stand winkend Shanvady. Er sah ihn zum erstenmal jetzt lächelnd.

Sein Lächeln deutete, daß das Geheimnis, dem sie nachgepirscht nicht entwirrt werden könne, und daß der Versuch es zu lösen, nur noch stärker an es verstricke.

Aber Harri stand kühl beiseite. Er fühlte, nicht beteiligt genug auch hierbei, daß Shanvady den Reiz, der ihn unbewußt zu ihm geleitet seit jener Nacht im luxemburgischen Garten, selbst zerreiße, indem er ihn darin zu fangen suchte, und daß das Messen und Ringen, das Shanvady aufgestellt, darum für diesen verloren war, nicht für ihn. Ein Sieger wider Willen hob er die Augen.