Die Tür ging in den Garten. Es wurde vollständig still. Jujus Zittern ging durch seinen Rock. Im gleichen Augenblick erhellte sich eine Partie des Gartens wie ein langer silberner Streifen. Harri strebte danach, zuckte zurück, sie stießen an elektrische Drähte. Die Tür zurück war geschlossen. Im gleichen Moment begann das Singen wieder.

Der lichte Teil des Gartens bewegte sich zu einem Zug, der wie auf einer Leinwand bebte, zu verhüllt, um lebendig, zu sicher, um nur gedeutet zu sein.

Er sah den Zug vorüberlaufen, und vergaß Juju, die vor ihm stand:

Da kamen blonde Tscherkessinnen. Polinnen mit roten Lederstiefeln bis zur Scham. Im Blusenhemd warme Bornholmerinnen. Provenzalinnen mit Olivensträußen am Gürtel. Jütische Fischerinnen mit schlanken, sehnigen Armen. Die Diana von Aleppo. Eine weißblonde Finnin von den Stromschnellen, eine kleine von den Hochzeitsgütern. Neuseeländerinnen kamen, Kinodiven mit kurzen Rücken, hochbeschuht. Jüdinnen mit roten Haaren. Kleinasierinnen in Kleidern Poirets, den Bauch herausgepreßt. Kunstreiterinnen sausten vorbei, Russinnen mit Madonnenscheiteln, Armenierinnen mit den Hüften der Wolfshunde. Negerinnen, die schöne Melonenbrüste über der Schulter trugen. Arabische Frauen auf Pferden, kleine Irinnen, fliegende Frauen aus Normandie, Zigeunerinnen mit heller Iris, Provinzmädchen aus Krain mit anmutigen scheuen Knien. Dahinter Winzerinnen vom Elsaß, Sehnsüchtige aus Madrid, Barcelona, Chinesinnen, die Brustwarzen rot bemalt, Australinnen, glatt wie Zebufell.

. . . . . . Augen, Hüften, Beine kamen. Füße schritten, die auf Kies nicht treten konnten, Zehen, denen Blumen zu schwer waren, Knöchel so hochgespannte, daß sie die Sandalenschnur verschmähten, Waden, geschwungener als Kallastengel, entfalteter wie Orchideen, Arme, die besser als Vögel schwangen, Hälse kühner als Fliegerkurven gezogen, Achseln, die wie Schwanennester schwebten, Brüste wie Hügel der Bretagne aus der blausten Abendferne, Leiber, die mit der Bewegung der kühnen Gestirne aufzogen, Schenkel, die leichter als die erlesensten Tiere auftraten, Knie, deren Leichtigkeit Reh und Panther und Flamingo verjagte, Hüften, die der Eleganz der Rennmaschinen den Zauber der Erntefelder und Flüsse hinzufügten.

. . . . . Soubretten mit offenen Munden, Autofahrerinnen in Schleiergesichtern, Huren, die auf die Brust sich wiesen, Verbrecherinnen mit Quarzaugen, Damen, die wußten, alles sei duftig, reizvoll, sie angemessen erwartend in ihrer Sicherheit, Seglerinnen mit Nacken wie Katzen gespannt, Reiterinnen mit bleichen, herrschsüchtigen Gesichtern, Mädchen mit Gliedern, als trüge jeder Muskel ein Service, Schauspielerinnen mit roher Träumerei vor dem Auge. Frauen mit Landschaften um sich, Cornwall und Gibsons Wald, burgundische Täler, der Po, die Rheinflüsse, Verona, der Ammersee. Frauen, hinter deren Kniebeuge das winterliche Gebirge aufschoß, unter die der Schwarzwald vom Merkur bis Badenweiler sich unter die Abfahrt legte, Frauen, um die Schiffe und Signale wuchsen, tropische Städte sich formten, Abhänge glitten. Frauen, um die der sommerliche Horizont flog, die über Birkenrinks bei großen Concours wegsetzten, Frauen auf dänischen Gütern, dalmatinischen Schlössern, Frauen, um die das Meer aufscholl, die in Jachten bräunten, die durch den Herbstwald hetzten, Frauen, deren Füße die Liebkosung der Maimatten kannten, Frauen, die durch die afrikanische Nacht auf Tiere schossen.

. . . . . . Polinnen aus Krakau, Rumäninnen mit lasterhaften Händen. Griechinnen von Smyrna, geduckte Frauen aus der Krim. Karthagerinnen. Die kriegerischen Weiber des Helesponts, Amazonen mit weißen Hengsten, Negerinnen, gleitend mit Bogen. Frauen mit üppigen Brüsten unter Ketten und Bronze, rote Haarbüschel über der Stirn. Die säbelschmalen Weiber aus Damaskus. Frauen mit Lippen, geschlitzt, sanft wie Mondfahrt, Lippen wie Trompeten geballt. Frauen, windhaft wie Segel, schwirrend wie Pfeile, mit Fruchtglanz aus Bagdad, Spiegelnde aus Kairo, von Ceylon, Beirut. Frauen mit großstädtischen langen Schenkeln, die nur Teppiche und Wagentritte berührten. Mit mozartischen Gelenken. Mit Goldflecken auf dem Rücken. Mit Niggermusik in dem Bauchmuskel. Kühle Schottinnen. Amerikanerinnen mit Diamanten in den Zähnen. Dalarnische Baronesse mit Blau wie Blitzen im Blick. Frauen, die Stirn verschleiert. Frauen, Unzüchtiges im weichen Blick, Frauen mit aufgesprengten Lippen. Frauen aus Bayreuth, aus den Starnbergschlössern. Frauen aus den Pyrenäen. Ruteninnen, deren Väter Franzosen waren.

. . . . . . Frauen kamen mit harten, glatten Beinen. Frauen, die sich umarmten und dem Mann noch unergründliches versprachen. Frauen mit Unterwerfungsgebärden. Frauen, die vorn am Dampfer standen. Frauen von Sieg. Frauen von Windspielen umgeben. Frauen im Wagen durch die Steppe gejagt. Frauen mit schimmernder Haut. Frauen, die ihr Gesicht sekündlich wechselten. Frauen mit grausamen Beinen, mit Madonnenhänden. Frauen mit tätowierten Armen. Frauen aus Syrakus. Frauen vom Sudan. Ätiopinnen, die auf Vogelschreie horchten. Frauen aus Eisenbahnen hinausgelegt. Frauen, die mit ihrem Körper den Erdball versprachen. Frauen, die wie Moos rochen, wie Klee, wie Neckar, wie Fasane, wie Palermo, wie die Nordseebäder, wie Borkum, Abwinkel, wie Teer, und Sonne und Sand, wie die Haut der Vierzehnjährigen im Juli im Inselhotel des Bodensee.

. . . . . . Es kamen Frauen, die Australien plötzlich auf den Handtellern trugen. Frauen, in deren Augen tödliche Geschichten eingeschrieben standen. Frauen, die zwei Meter über dem Netz den Tennisball im Sprung noch hielten. Bobfahrerinnen, Träumerische vom Engadin, aus der Eifel. Frauen als Tänzerinnen. Mit Flöten. Frauen, blumenhafte, Frauen, die ein Wort knickt, Frauen wie Hyänen. Frauen mit Spitzenwolken, belgische Nutten, kleine gelbe Katzen aus Chile. Pumas, nackte Räuberinnen, Frauen, die einen Fjord überschwammen. Frauen, die Timbuktu plötzlich entfachten, die Fidschiinseln, Honolulu malerisch zwischen den Brüsten wiegten. Frauen wie Luchse, wie Kaninchen, wie Papageien. Pompejanische Jüdinnen, Katalonierinnen, Frauen vom Roten Meer, von der indischen Bay, heiße Weiber aus Syrien, antilopenschmale Berberfrauen. Frauen, die den Sternaufgang über den Schären beschworen. Frauen, die Tod hießen oder Pensée. Erregte mit verschlossenem Mund. Von Gibraltar. Von Bagomoio. Jungfrauen, von Löwen antik gejagt. Blonde Maurinnen aus Saragossa. Prinzessinnen mit Pferden an der Hand. Mimi Pinson, Ruth St. Denis, Aino Akté, die Hasselquist, die Durieux. — Isis und Huschnaia. Göttinnen in einem wundervoll vollendeten griechischen Flug, mit überirdischen Lanzen und menschlichen Leibern. — —

Das Fieber brach ab, wie es kam. Der Garten losch aus, der Zug war aus. In das Dunkel stachen suchend zwei Laternen.