Gegen Abend tauchten sie in eine Bucht, Scho—Li—Rua, die Bai der gelben Boote. Das Wasser stand wie Glas. In einem hohen Bogen hoben sich Häuser mit kleinen Fahnen und senkten sich wieder über einem Hügel, die Fronten gegen den Fluß gelehnt. Hier nachteten sie.

Sie bewohnte das äußerste Bambushaus des Kreises, halb schon an der Bai. Keinen Augenblick empfand sie Ruhe. Schatten wogten draußen. Durch die Ritzen spürte sie, unsichtbar, den Glanz spähender Augen. Lautlos trug die Luft ein erregendes Geschehen, das ihr den Schlaf nahm.

Sie trat, aufstehend, zur Tür. Davor saßen zwei Wachen, hinter ihnen glitten Schatten weg in die Nacht. Sie ging hinein und legte sich von neuem. Lange konnte sie nicht schlafen, von der Hitze der Gegend und der Bewegung um sie gestört. Auch ihr Hirn versagte. Sie konnte nichts denken. Langsam fiel sie so in den Halbschlummer hinein.

Halbnackt, auf seinem Schweiß noch den eines Pferdes wie Schnee, stand Thengo vor ihr. Sie fuhr auf, noch konnte er nicht reden, als er sie küßte. Noch versagte sein Mund, als seine Lippen schon ihr Gesicht überwanderten.

„Du . . . ,“ flüsterte er keuchend. Seine Augen wurden lächelnd und klein vor ihr, als ob sie bäten . . . . . . „ich habe mich sehr geeilt.“

Tagelang noch fahrend, hielten sie eine Nacht dann nicht an. Mit Windlichtern ruderten sie durch das Dunkel des immer mehr verengten Flusses hinauf. Mit dem Morgen hob sich Dunst von der Gegend und in dem noch wirren Ineinanderschieben des Nebels sah sie goldene Spitzen im schon manchmal erscheinenden Blau.

Ein Palankin hielt, wo sie landeten.

Er, den Schwanenhälse zierten, von zwei Löwen an der Spitze und am Ende gleich einem Flügel breitenden Vogel überbogen, die fürstliche Türmung gelb darüber gereckt, empfing sie aus dem Atlas des Inneren mit Moschusgeruch.

Rasch getragen sah sie durch die flatternden Falten des vorgeschlagenen Vorhangs, sanft gewiegt im Rhythmus der Laufenden, eine Stadt eine Hügelkette hinan gelegt und an ihrem Fuß anspülend einen See.

Dann hielt sie in einem Garten und sah das Schloß mit Galerien, achtstöckig unter dem chinesischen goldenen Dach, das den obersten Erker überspielte.