Sie blieb, wenn sie ihr Dasein nach der Welt zu drehte, Dame. Ihr Vater, den sie liebte, war reich. In Paris wieder verließ sie den Franzosen. Ein feiner Künstler gab ihr Stunden der Melancholie und des Schmerzes. Die flammende Rede eines Schauspielers, sein ungestümes Werben gab ihr andere Richtung und Ersatz. Nach einem halben Jahr fuhr sie wieder zu Saint-Loux. Nie gelang es ihr rasch ihn zu verlassen. Nach Wochen von Kämpfen zog es sie von ihm. Ein Erkalten von ihm hielt sie von tausend Abtrieben entfernt.

Sie lebte drei Jahre mit ihm, lächelnd auf jede Versuchung nun, entschlossen, mehr sogar: nicht in der Lage, ihn zu verlassen. Sie zog, ihr Leben innig dem seinen verkettend, mit ihm, wo er lebte und kämpfte, denn er nahm nichts von ihr. Sie schweiften zusammen. Ein Auftrag sandte ihn nach Indien, wo er die Politik seiner Regierung wahrnahm. Ein wenig drin im Lande, dem Fluß gegenüber, empfing er Botschaft, nahm er sein Geschäft wahr. Vier Monate, wie im Traum, lebte sie mit ihm, immer glücklicher an ihm. Denn er besaß Muskel und Hirn.

In einer Nacht wachte sie auf, sah einen Stern am Himmel, es war als schlüge ein Mondflügel gegen sie, sie erhob sich, besah das Haus, den Balkon, den Fluß und sah es schon nicht mehr.

In dieser Nacht verließ sie Saint-Loux wie ein Blitz, ohne daß etwas in ihr blieb von irgendeiner seiner Umschlingungen, die ihn in (wie sie glaubte) unsterblichen Nächten ihr verschmolzen. Sie kleidete sich an und ging hinaus. Von den mondhellen Blumen machte sie unterwegs einen Strauß. Träumerisch schritt sie durch die blonden Maisfelder. Als der Morgen kam, begann sie zu singen.

Zum erstenmal sah sie tausend Dinge genau. Das Gras erhielt Dasein. Grillen zogen Laute um sie, der Duft der Blüten erschauerte sie. Der geöffnete Himmel kam ihr nahe. Sie sah ihn wogen, daß es kein Ende nahm.

Sie hob die Arme in Bäume. Der Kern gepflückter Früchte schmolz ihr auf der Zunge und ein ungeheurer Trieb verband sie ungekannten Gefühlen in der summenden Weite.

Sie ging durch einen Tamarindenwald. Kupfern schoß Glanz eines Daches durch die Zweige. Sie lauerte kurz, dann machte sie einen Bogen. Gegen Abend kam sie an eine Wiese. Seitwärts ein großes Kloster. Die Ebene lag ganz voll Sonne. Menschen strömten nach ihm zusammen, gleich Tieren, geschart, alle trugen die Köpfe gesenkt. Rinys Nüstern dehnten sich ein wenig. Sie blieb sitzen.

Trupp auf Trupp, gelb gekleidet, immer die Nacken zum Boden gestellt, zogen hinein. Sie hatten Lederriemen um den Leib und Rosenkränze in den Händen. In den blauen Abendfarben leuchtete das Gold von hundert kleinen Türmen unsinnig. In ihrer Mitte stand eine Pyramide mit einem Fortsatz gleich einer umgestülpten Trompete. Schatten stürzte auf Schatten von oben über die Terrassen.

Als der Mond aufging, schlug er wie der Flügel eines Engels durch ihr Herz. Die Nacht schauerte noch von ferne, es war halb hell. Sie sah hinein und das Licht drang durch sie wie eine Säule. Dann fiel es auf die Pyramide, die nach oben sich aufschlug und breiter wurde in den Himmel hinein.

Ihr Lächeln ging nicht nach ihrer vorgelebten Zeit, nun vor Wundern stehend, wurde sie sicher und groß und die lockende Stille verführte sie tief.