„Thengo . . . . . . Schläfer.“

Ihr Arm wischte die Tränen aus den Augen, die in einem Regenbogen über den Kies fielen. Von der Nachtluft erfrischt, Blumengeruch noch im Haar, ganz hingegeben seiner Müdigkeit, schmiegte sie sich an ihn, er glaubte ihren Augen, die gut über ihm standen, er wache aus dem Schlaf.

Sie gingen hinaus später in den Garten und legten sich in Stühle, die auf dem Rasen standen, aus dem Hyazinthen herauswuchsen und sich mit dem Nachtduft vermischten. Es war ganz still geworden in dem Haus, auch die Harfe schwieg.

Sie hielt seine Hand auf ihrem Schenkel, und wie er sie hielt so in der Stille ihres abgeebbten Blutes, überkam sie eine Zärtlichkeit zu ihm, die ihn ihr ganz verband. Kein Wort fiel in dieser Stunde.

Aber die Stunde lag noch in ihnen, als sie vor Morgen zu ihren Pferden gingen und hinausritten in die Dämmerung. Ihnen war alles vertraut, sie streichelten ihre Hengste, ließen sie laufen mit kurzem Steigbügel und losen Zügeln, sahen die purpurn mit goldnen Lasuren bemalten Satteltaschen an mit vertrauten Blicken und empfanden es innig, wenn in den Reifen ihre nackten Füße sich berührten.

Am Abend erfuhr sie, daß er den Mittag sie verlassen hatte für eine tagelange Reise. Er war vom Gefühl der Nacht noch so sehr voll Güte, daß er ihr den Abschied ersparte, indem er sich versagte, sie noch einmal zu sehen.

Sie lag aber gerührt von solcher Liebe die Tage, die vorüberschwebten mit langsamen glücklichen Träumen, auf ihren Veranden und sah in die Luft. Sie sah sein Bild in jeder Straße, er schritt überall schön und still und das Funkeln seines Auges erlosch, sowie sie lächelnd seinen Namen sagte.

Sie wandte sich in den Garten, schnitt und goß an den Blumen und spielte stundenlang mit den Tauben, die samtzart in ihrer Hand lagen, sich mit warmen stillen Leibern an ihre Wange schmiegten.

Die letzte Nacht vor seiner Ankunft war die Luft so heiß in den Zimmern, daß sie im Freien schlief. Dünn bekleidet lag sie auf dem Balkon. Immer noch hüllte der Mond die Landschaft in eine Glocke von Silber.

Während sie lag in diesen Stunden, band sich das Land in dem Licht zu einer bernsteinenen Masse, die sich dem Himmel näherte mit jedem Atemzug. In dem harzigen Licht aber, in dem die Gegend immer tiefer sich senkte, umwölkten sich ihre Augen und in den Träumen, die sie überzogen, während sie wachte, erhoben sich Gesichte und verschwanden wie hingeweht. Das Letzte kam, aus ihrem Herzen herausgeholt: