Ihr Vater sah sie an, sie winkte herzlich mit beiden Händen. „Was willst du?“ frug sie. Doch er schwieg. Sie erschrak ein wenig, doch seine Farbe war braun und gesund und stolz. Sie zog ihr Gesicht zusammen zu Milde, die sie überströmte: „Du bist sehr fern,“ sagte sie, „aber ich kann nicht mich an dich wenden eben. Habe ich recht Pa . . . . .?“ Er gab ihr keine Antwort. „Pa . . . . . ich weiß nichts von Euch. Euer Haus ist mir ferner wie etwas. Ich kann nicht zurückdenken an Euch. Aber ich weiß, daß ich Euch liebe.“ Da schien es ihr, sein Auge frage sie: . . . . warum . . . . Sie erhob sich ein wenig und nun traten ihr Tränen wieder in das Gesicht: „Ich liebe Thengo,“ sagte sie und ihr Lächeln ward so gütig, daß auf seinem Gesicht ein Lächeln spielte, bis eine weiche Wolke ihn wegnahm aus dem harzenen Licht.
Dann kamen andere Träume:
Sie sah zwischen zwei rosa Wolken Saint-Loux, den Stundenzeiger ihres Lebens, aber er kam nicht fordernd, kam mit einem Degen, den er hielt in verschränkten Armen wie eine Bibel. Es schien ihr, er frage traurig in ihr Gesicht. Aber sie sagte kein Wort, nur ihr Gesicht nahm das an, was ihr Gefühl bewegte, und in seinem gütigen Glanze löste sich die Erscheinung sofort zu zartem Dampf. Langsam erst streiften sich die Bilder wieder von ihr und erst in den Stunden der fallenden Nacht wachte ihr Kopf aus dem Halbschlaf heraus.
Da öffneten sich die Lider ganz klar und hell.
Die gelbe Glocke des Mondes zerflatterte, sie sah Fackeln draußen durch graue schon rötlich angelaufene Dämpfe qualmen.
Sie trat rasch hinein.
Sie schlug eine breite Seide um den Bauch und färbte die Augenlider mit einem schmalen Strich einer seidigen Salbe. Sie goß Sandelholzpuder in den Ausschnitt ihrer Brust und, ihn zerreibend, die Handflächen rosig davon, trat sie hinaus.
Die Sonne kam gerade mit frühem schönem Licht. Der See lag in ruhigen quecksilbernen Schatten.
Da aber lag unter den Rudern eine Flotte, vergoldet bis in die Knäufe der Masten. Hunderte Boote schäumten den See auf zu einem leichten Glanz, und die Ruderer sangen, während sie die Schaufeln hoben, ein klares wiegendes Lied.
Sie hörte wie im Traum noch Elefanten von dem See herauf den Boden stampfen, ihre Gläser in den Räumen tanzten. An den Rahmen des Balkons gelehnt, schwach in den Knien, hörte sie ganz von ferne: