Sie neigte sich in allen Dingen vor Thengo. Sie sah keine Fehler an ihm jetzt mehr, lächelnd verzieh sie und war nie voll Widerstand.
Aber unter dem aufnehmenden Erfüllen ihrer Liebe einte sich nicht mehr das Bündel widerstrebender Gefühle, das sein Wesen ausmachte und das sie sonst im Gleichgewicht hielt.
Einmal, endlich, gereizt, hob sie drohend das Gesicht gegen ihn.
Er lächelte. Aber ihr Glaube, den sie unverbrüchlich gehalten, löste sich langsam und schmerzlich seit diesem Augenblick. Wie ihre Hoffnung langsam nachließ, wichen die sanften mütterlichen Gefühle einer schmerzlichen Ruhe.
Sie entsagte. Aber sie war jeden Augenblick auf das Wunder bereit. Sie sah Monat um Monat ihr Erwarten eitel, aber die Sicherheit des Glaubens verließ sie auch in dem sichtbaren Versagen nicht.
Thengos Leben hielt sie in ihrer Hand, ihn reizend und gütig beruhigend. Sein wildes zersprühendes Leben bedurfte ihres Gleichgewichts. Aber ein Teil ihrer Seele war leer geworden im Warten und mit Hingeben an das Äußere trat sie, es zu füllen, aus ihrer Stille heraus zu Reiten und Fahrten. Sie spielte mit Hunden und befragte ihn um die Führung seiner Geschäfte.
Am Tage des zweiten Geburtstages Thengos fuhren sie in die Dämmerung auf den See mit wenigen Ruderern. Das Wasser war gefallen, Tausende Inseln streckten sich mit langen Armen aus der Flut, die, mit Steinöl überzogen, gleich schillernden großen Tieren sich über sie bäumten.
Der Mond hob sich langsam und groß.
Sie lagen still in der einhüllenden Kühle und rauchten wortlos in die Dämmerung.
Plötzlich ganz langsam begann Rinys Gesicht sich in Tränen zu lösen. Kleine Tropfen hingen wie eine Schnur an ihren langen Adern, das Gesicht badete in einer Feuchtigkeit, die es erfüllte wie ein Mondschein.