Er war athletisch, ein Vierziger, und, wie er sich bewegte, zog er die Hüfte mit herunter. Ich ging auf ihn zu, gab ihm die Hand. „Grüße meines Bruders“, sage ich. Er hob den Kopf, der ein wenig zitterte beim Hören, nahm den Namen auf und nickte, drückte mir noch einmal die Hand.
Nach zwei Stunden, wo wir zusammen waren, wo er mir alles gezeigt, was die Sportschule seit dreihundert Jahren geleistet, erwähnte er ihn einmal, wies einen Stab, mit dem er den bekanntesten Chikagoer besiegt. Dann gingen wir hinüber, wo schwarzweißes Rindvieh mit praller, glänzender Haut uns dicht umdrängte; wir fahren mit den Händen darüber, es scheint die Sonne immerzu.
Am Abend lagen wir bei Feuern am Waldrand, tranken Kallskol aus Zitronen, Wein und Saft.
Ich muß vielerlei denken, während die Tanzenden zwischen den Lichtflammen zucken. Ich sehe die dünne Linie des frischen Monds an einer Pappel und ich muß denken, daß an diesen Bäumen die Tragödie des Bruders begann, hier sich sein Hirn wund rieb an den Büschen. Ich muß denken, daß Floda nahe liegt, daß vom Herrenhaus ihm die Rettung kommt, als er mit dem Pferd in den Wald reitet, daß der Wechsel bezahlt wird, daß alles gut scheint, aber sehr schlecht ist.
Ich liege weit zurück und sehe erschüttert und traurig, und doch davon wieder gehoben, die Nachtscheibe des Himmels sich immer weiter und tiefer über das Meer hinausschwingen.
Ich habe seit Jahren wenig gedacht an meinen Bruder, ich habe vieles zu tun, ich bin beschäftigt gewesen mit mir und tausend Dingen, ich habe nie begriffen oder versucht es zu fassen, warum er sich selbst, nachdem die Bagatelle beigelegt, hinausstieß.
Ich denke darüber nach und fasse es nicht ganz, aber es arbeitet in mir weiter, auch wenn ich nicht nachdenke, ich fühle es genau. Der Boden, den er betrat, das Laub früherer Sommer, das er berührte, verbindet mich eng mit seinem Schicksal.
Ob er barfuß durch Kalifornien läuft, auf Akkord in Steinbrüchen der Kordilleren arbeitet, wieder ohne landen zu können als Boy vorm genuesischen Hafen immerzu liegt, ich spüre sein Leben hier, ich kann ihm nicht helfen, ich bin unglücklich darüber. Ich habe manches Unrecht an ihm getan, fällt mir ein.
Am Morgen holt mich Davidson. Ich fahre froh nach Floda, ich will, kann ich nichts anderes, wenigstens diese Kleinigkeit des Dankes dem Bruder schön vollenden. Ich habe die Unruhe zurückgelassen, die die erzwungene Pause mir auferlegt. Ich fühle mich nur wohl, wenn ich in die Bogen, die ich selbst gerichtet, von Handlung zu Handlung mich spanne. Aber ich habe diesen Tag keine Unruhe, ich bin vergnügt fast, ich sitze in der Equipage und schaue auf den Buchenwald, als sei er mein.
An einer Bachecke umringen uns Damen, ich springe raus, ich weiß sofort, wohin ich mich zu wenden habe. Ich grüße die Herrin. Sie geht anmutig über den Wiesenpfad, steht vor den weißen Säulen des Herrenhauses, hebt die Hand: „Välkommen“.