Wie unglücklich bin ich und schwach. Und doch wie getröstet. „Ich küsse die Hände, auf Wiedersehen!“ rufe ich steif und hänge ein. Ich kann es nicht hören, wenn sie den Gruß wiederholt. Ich richte mich auf unter der Badedusche, hebe die Arme, die Muskeln wiegend im Strahl — und breche zusammen: welches Glück, diese Stimme.

Erst nach dem Mittagessen kam ich in Särö an.

Vor dem hellen Sandstrand stand die Nordsee. Dann machte der Basalt eine Welle, die Häuser trug. Davor brannten mit schmalem Rasen die tausend Obstbäume. Ich ging durch den verschneiten Geruch.

Auf der Terrasse kam Almqvists Schwester auf mich zu. Ich trat betreten einen Schritt zurück. Sie lächelte mit einer sich nicht entäußernden Bewegung, ihre Schönheit streng bei sich behaltend. Ich saß auf der Klippenbalustrade vor dem kleinen Schloß. Ich frug nach ihrem Bruder, sie wußte keinen genauen Termin, noch ohne Nachricht. Sie hob die Schultern ein wenig, ich mußte warten. Ich unterließ nicht, ihr meine Bewunderung für solche Schönheit schweigend zu bezeugen.

Aber es war ein Raum zwischen uns, ich durchbrach ihn nicht, ich hatte einen Schmerz in der Brust, der mich peinigte bei jedem Wort und mich wegzog, wenn ich die schmetternde Süße der Apfelbäume vor dem aufgestählten Dunkel der Nordsee empfand. „Sie haben recht,“ sage ich hin, „Ihre Bürger sind Hunde wie alle, gnädige Frau“ und ich lächle schief und trotzig, aber ich will es nicht wissen, was geht es mich an, was liegt mir daran, daß ich ihren Vornamen gern wüßte.

Aber ich frage nicht danach. Daß sie in Norwegen skiert mit Meir Elisha, meinem Partner. O, was liegt mir daran. Ich bin da, um auf Nachricht von Almqvist zu lauern, es ist keine da. Ich sitze und rede und höre nichts wie ein phantastisch Knirschen eines Rockes immer im Ohr.

Auf der Klippe gegenüber stehen Kinder, rufen „Mur“.

Sie steht auf, nimmt die grün-weiß-orange-schwarze Decke von dem Teetisch, winkt hoch damit. Die Kinder jauchzen, kriechen wie Ziegen weiter mit den kleinen Spitzenhosen.

Auf der geschorenen Steppe ins Land hinein spielen Engländer Golf. Weiße Männer liegen unten in den Segelyachten. Ich stehe auf, lege die Hand über die Augen und sehe lang in die gläserne Bläue. Ich vergesse, wo ich bin, ich drehe mich um: „Ich sah Ihr Stadthaus, gnädige Frau; darf ich es sagen, die holländische Backsteinrenaissance hat eine asketische Linie, die ich wenig ertrüge, nie eine Frau damit umgäbe.“ Ihr kristallenes blaues Auge umfährt mich ohne Ironie, sieht über mich weg.

Ich empfinde, daß alle lügen, daß sie nicht die marmorne schönste Frau Bohusläns ist; welche Narrheit, sondern, daß sie noch nicht gelebt hat und ihre Gefühle lawinenhaft hinter dem Herzschlag liegen.