Er erfährt sicher vieles, wenn er sich so bekümmert, er erzählt nichts, bringt Blumen mit, empfängt allerlei Subjekte.
Im Osten sehen wir einen großen Klüngel immer am Meer, der seltsame Formen annimmt. Trennen sich Teile davon ab, verlieren die andern nie die Verbindung mit ihnen, die Figur der Ansammlung läuft aus wie Tinte, verzogen wie Rosagummi.
Oft schaue ich nach Norden. Nicht, als ob ich da etwas sähe. Es ist die Richtung nur, in die ich mich wende. Ich liebe es nicht, wenn ich mich dabei erwische, ich bin sehr verschlossen dann sicher im Gesicht.
Auch sehe ich gar nichts wie Netze und Schären. An der grünen Wildheit der Riffe aber, wenn mein Blick damit zusammenprallt, könnte ein Herz wohl aufschrein. Ich glaube es bestimmt.
Mittwochs kamen die Schweden, hörnerschlank, blondgescheitelt. Almqvist besprach lange jedes Detail mit ihnen. Ich rührte mich nicht sonderlich bei den Vorbereitungen, prüfte die Klaviatur nur manchmal, ich hatte das Ganze zu überschauen, ich maß meinen Puls nicht wie Sverker Ek, ich war wie immer in den drängenden Stunden der Gefahr fast unbeteiligt, als stünde nicht ein Ruhm ungekannter Größe und Bedeutung auf dem Spiel.
Ich sprach mit Almqvist lange über diese Frage, die endlose Lüge der Geschichte, die uns idiotische Führer und geschickte Taktiker als Helden ewig exerzierte, wo wir aus der Gegenwart im Einblick in alle Verhältnisse dies Prisma von kleinster Menschlichkeit und Kohl und Lüge und dümmster Brutalität zu jeden Vergleichen an der Hand hatten und an den Märtyrern und Tapferen eigenwilligerer Ziele ganz anderes Heldentum beobachten konnten.
„Es ist Zeit, es ist Zeit,“ sagte Almqvist, als er die Fernrohre vom Hausdach richtete, „mit einem Stierstoß das Epaulettengenie aus der Historie zu stürzen und die Heiligenscheine steigen zu lassen.“ Er lachte höhnisch, wir hatten am Ostufer den Bienenschwarm Männer in den Gläsern. Wir kannten jeden einzelnen, die Beziehung jedes einzelnen zu irgend einer Gesandtschaft und amüsierten uns über das Schachspiel, das sie miteinander aufführten.
Um elf Uhr gingen die weißen Hosen des Außenministers vorüber. In Badekostüm und Tenniskleidern begann die Börse. Alle heben die Nasen nach seinen politischen Vapeurs, die nach seiner Entfernung bis zu seinem Abendbummel, wie Rauchschwaden der U-Boote nach dem Tauchen, den ganzen Tag geballt zurückbleiben. Die Spionagezentrale des Stockholmer Grand-Hotel, die ihm hierher gefolgt ist, schwitzt, nachrichtgeil, vermanscht die Atmosphäre zu Meldung, sie langweilen sich und spielen sich weiter die seit zwei Jahren vorgespielte Rolle vor, der eine Davoser, der andere staatenlos, der andere Neutraler, refraktär, krank, desertiert. Sie fluchen auf den Außenminister, daß er die Klippe als Bad nahm, sehnen sich nach den Bars Stockholms, nach Royal, Hasselbacken, Rosenbad, nach Autos, Kokotten, Telefonen.
Sie haben die Nordsee peinlich in den Nüstern, es spielt sich schlechter vor der wilden Kulisse. Sie kennen jeder einander genau, jeden Atemzug, alle Vergangenheit, sie lügen sich täglich an und glauben sich täglich neu, sie sterben vor Gähnen darüber. Hätten sie wenigstens Frauen, es sind keine Mondänen da.
Die Schweden klatschen in die Hände vor Vergnügen, wenn das Spiel im Sand, von uns vorhergesagt, nach den jeweiligen Berichten der Zeitungen, mechanischer als ein Flohzirkus funktioniert.