Wir sind bei Reh schon wieder ein wenig betrunken, wir halten immer längere Reden, die Fenster sind herrlich hoch in dem Rittersaal mit dem Cederströmschen Silber.
Lilian schwebt als ewiges Lächeln zwischen den kreuzenden Gläsern, wir sind bei Burgunder, wir hatten schon vieles vorher.
Der junge Mann aus Helsingborg fühlt, daß es an ihm ist, aus Schweigen und Jugendlichkeit ein wenig herauszutreten: Musik.
Wir machen ein Konzert von zwei Stunden. Cederström träumt. Ich denke an Angermanland, mir fällt ein, ich liebe Lappland, ich möchte in Erdhütten den Winter verbringen, dalarnische Töchter bestaunen, den glühenden Mond, kaffeegelb zwischen den Skitouren brennen, mir fällt sehr viel ein, ich denke nicht daran, daß ich nicht mehr erwünscht bin als Einreisender in Schweden, ich überschlage es rasch, warum daran denken.
Ich schaukle im Stuhl nach der Musik, von beiden Seiten schaukelt der hohe Park mit den Fenstern der Halle, genau wie ich schaukle.
Chopin schwingt ab.
Eine Pause, ein Diener läuft.
Lilian gibt jedem von uns Blumen mit einer Verneigung und flüstert uns zu. Die Saaltüren öffnen sich weit, die Pächter Cederströms erscheinen mit dem Pfarrer, schlanke Männer füllen die Säle, sie haben die blonden Haare aus dem Genick scharf geschnitten, sie haben blaue Anzüge und ihre Frauen sind blond, anständig und adlig in der Haltung gleich ihrer Erde. Sie setzen sich rasch zu Zwanzig in die hohen gotischen Stühle der Halle an die Wände.
Das Konzert fährt fort, wieder spielt Musik in breiten Wogen.
Der Kupferschädel des Pfarrers im Gehrock erhebt sich, tritt heran an den Spieler, sagt ihm den Dank, er hält uns für einen deutschen Zirkus und spricht mit dem Landsmann radegebrechtes Deutsch, aber wir kichern nicht, um ihn nicht zu kränken.