Den kühnsten Griff, die Seele seiner Region zu fassen und zu gestalten, hat der größte europäische Maler Munch getan. Der größte Teil der deutschen Malerei ist ohne den Munch nicht zu denken, genau wie Strindbergs Existenz fast die gesamte neue deutsche Dramatik überflüssig macht.
Munch hat dem schwebenden Gespenst aufgelauert und hat es mit einer Größe und Kraft zur Wirklichkeit gezwungen, wie selten ein Maler das Unwahrscheinliche und Unsichtbare klar zu Farbe und Eindruck gebildet hat. Ob er Kapitäne oder Sichküssende malt, er zwingt den ganzen Schauer einer geheimnisvollen Sonderexistenz in eine vor Brutalität bald platzende Erscheinung, und im Donner und dem Zucken der unwahrscheinlichsten Farben fängt er wie in einer Teufelsbeschwörung die nordische Seele, die auch bei diesen elementarsten Geburten fast schon wieder entschwebt.
Die ganz große Musik aber, noch größer wie die Beute dieses malenden Jägers, die wahre Versöhnung und die großen Mosaikfresken, das allein ist Knut Hamsuns Werk.
Er ist der Bruder Munchs, aber er hat dazu noch die Süße und die Südlichkeit neben dem rauhen Schrei. Er hat neben der Urkraft das Weiche, und seine Männlichkeit ist so unbezweifelbar, daß er nicht ohne einige weibliche Ergänzungen auskommt, um den Menschheitshorizont rund zu gestalten.
Er ist der wahrhafte große Erfüller des Nordens.
Alles was hier gesagt wurde von diesem und jenem ist eigentlich über Hamsun gesagt, denn das all lebt in seinem Werk. Kein kleiner farbiger Däne, kein schwedischer schwerer Bauerndichter hat zu anderem Zweck gelebt, als daß Hamsun aller Erbschaft antrete.
Sie sind ihm alle nichts wie die Klaviatur, aus der er die volle und ganze Melodie erst anhebt. In Hamsun ist die Südsee und der soziale Aufschrei, ist die Verdorbenheit der Gesellschaft und die Wikingerei des Blutes, ist der gütige Haß und die unerschöpfliche Liebe.
Dieser Dichter hat sich nie spezialisiert. Auch ist sein Parlando nie von dieser oder jener Einstellung der Zeit sonderlich beeinflußt geblieben. Er hatte wahrlich keine Mission, ein Formproblem zu knacken oder die Ehen zu untersuchen oder die Bals-Parés des Schauerlichen herunterzutanzen oder das Unsichtbare am Kopf zu fassen und ins Panoptikum zu zerren.
Das alles ist unter ihm und ihm nur Material.
Niemand wird verkleinert, wenn man Hamsun erhöht. Strindberg ist grandioser und Nexö zeitlich wichtiger und Aage von Kohl monumentaler und Jensen wohl toller.