Alle ihre Prosadichter haben die lyrische Note, bei Geyjerstam, den die Deutschen am meisten lasen, ist es fast so dünn wie bei Jakobsen oder Bang, aber es ist noch viel mehr von den Schatten des Schicksals umwölkt, wie seine Menschen aneinander vorbeileben.

Bei der Lagerlöf geht es ins Legendäre, und die Menschen rutschen ihr in einen religiösen Nebel oder verschwinden in dem Mythos, der aus der tausendjährigen Scholle, die sie bebauen, aufsteigt und sie wie in ein erzenes Zeitalter entführt.

Auch Verner van Heidenstam kann die Linie, die seine schwerblütige Prosa irgendwo anbindet an Belmann, den großen Sänger des Volkes, mit den gehäuftesten Kapiteln seiner Epen nicht verdecken.

Selbst in den schwedischen Kriminalromanen, die neben den englischen und norwegischen die besten und einzigen sind, die es gibt, ist in den tollsten Situationen plötzlich der Moment der Gebanntheit, die vipernhafte Erschlaffung des Menschen, und zwischen Einbruch und Ausbruch, zwischen Blendlaterne und Revolverschuß entschleiert sich das Phänomen des nordischen Menschen in einer scheinbaren Verrücktheit, einer Handlung voll Widerspruch und Abgesondertheit, in einem Marsch in eine Kurve hinein, die ihn hinausführt aus allen Kombinationen der Klugheit.

Selbst Per Halström, den die Schweden für ihren vornehmsten und distinguiertesten Dichter halten, und der wie fast alle Schweden den großen Strindberg für ein Scheusal hält, der wie fast alle Schweden sprachlos vor den letzten, schon ganz ins Übersinnliche gehenden Dramen Strindbergs steht, derselbe Per Halström, der an dem viel größeren Norweger Knut Hamsun das Hin und Her und Sichvertauschen seiner Menschen für Varietéulk, für Mogelei und Publikumskniffe erklärt, derselbe Halström kann sich dem Zwang nicht entziehen, den er bei anderen mit Witzen bekämpft. Auch seine vornehm und klassisch und etwas dünn gezeichneten Menschen entwischen ihm und bekommen gespenstischen Umriß manchmal. Der Spötter wird, kaum er das tadelnde Wort gesagt, schon Delinquent.

Die meisten nordischen Künstler haben in der Nähe des Irrsinns laviert, viele sind in Alkohol und Wahnsinn untergegangen, manchmal hat sie jener andere Mensch in ihren Figuren, jene andere gegen das Schrankenlose und Mysthische weit geöffnete Seite ihrer Natur ins Unbegrenzte und Unkontrollierte hinübergezogen.

Der irrsinnige Maler Josephson vermochte in einen im Grund erbärmlichen Naturalismus sogar die Größe einer europäischen Vision hineinzulegen.

Dasselbe steht auf Ibsens lehrerhaft erhobenen Zeigefingern, wo in fast komisch düster gewollten Szenen das Gespenst manchmal wirklich erscheint und sei es auch nur in dem Grauen, das Ibsen selbst davor empfindet, dasselbe, wie bei diesem Dänen, bei Björnson, bei dem Isländer Sigurjurdson.

Der Norweger Johannes Bojer, der wie alle Norweger etwas von einem Holzfäller an sich hat, hat sogar in der Figur eines Gefangenen die Doppelseele selbst gestaltet.

Der Grönländer Rasmussen erschreckt das Geheimnis auf dem panischsten Zug der Kühnheit durch das Treibeis nach dem Pole, aber keinen hat es so bis an den Rand der tragischsten Ausschweifungen gehetzt wie den Norweger Hans Jäger, der die furchtbarste Konfession des Erotischen in diesem Jahrhundert geschrieben hat.