Aage von Kohl wirft sich umsonst (schon fast Russe in seiner Schreibweise), in die slawische Allüre und verdeckt doch damit nicht sein gezeichnetes germanisches Haupt.
Laurids Bruun hat Europa verlassen und die beispielloseste aller Farbensüchte auf Tahiti und den Palauinseln durchlebt, er ist wie ein Gott im Unmittelbaren und Freien und Hellen geschwommen, und Jürgen Jürgensen hat den Kongo entdeckt mit allem Grauen des donnernden Urwalds und den schweigenden Nächten voll großem Getier, aber über den Häuptern von beiden, die so weit geflohen sind, steht mit einer gewissen Ängstlichkeit, fast zerbrechlich wie Glas, die halbbelichtete Sonne der nordischen Nächte, und keines Palaumädchens glatte Frische und keiner Negerin wundervolle Haut und keine Morgenröte um die tropisch und unbekümmert atmende Natur kann das Gespenst bannen, das alle plötzlich wie eine scheue Herde zu sich hinüberzieht.
Pontoppidan, der das größte Fresko des sterbenden bürgerlichen Zeitalters geschrieben hat, Gjellerup, der die müde und vornehme Hand nach den indischen Weisheiten hinüberstreckte, keiner bezwang es oder verbarg es.
Madelung überkam es mitten in seinen Fahrten durch Sibirien, wo er mit einer Brutalität und Genauigkeit, wie wenige, Tiere und Menschen nachschuf.
Selbst der größte Dichter des europäischen Proletariats, den Lunatscharsky selbst, der russische Beauftragte des Volkes, neben Gorki stellte, selbst der Bornholmer Nexö, der mit einer strahlenden Paradiesischkeit die Welt neu erlebte und sie für seine unterdrückte Klasse zu erobern in einem grandiosen Werke auszog, wendet plötzlich blaß in das Nordlicht sein götterhaft entschleierndes Haupt und neigt den Kopf.
Und selbst der, welcher den Trotz am steilsten und kühnsten aufgebogen hatte, der wolfgebißhafte Jensen, der den germanischen Mythos noch einmal in seinem Werke wundervoll schuf und, ein kühner Germane wie kaum je einer, kolumbushaft neue Erde und neues Land in ununterbrochenem Zug der wilden geistigen Ausschweifungen entdeckte, auch Jensen hat jene Minuten, wo ihm, dem Stärksten und Beschwingtesten, seine erdhaften Figuren entgleiten und sich hinüberbegeben in die andere Welt der Beschattung, der Grübelei und der tiefen Widersprüche.
Die Schweden haben keine Mischungen von gleicher Reizung, dies Land geht von mit Wasserduft versponnenen Weiden Skånes und violetten Wäldern Smålands bis in den lappischen Schnee und die nördliche Zone.
Auch ihre Frauen aber, auch ihre Lebenssitten sind von auffallend germanischer Eleganz. Aber ihrem Lebenszeichen fehlt die quecksilberne Beweglichkeit, fehlt das südliche der Dänen, deren Himmel nie aufgehört hat mit Versailles und dem Lido zu kokettieren.
Die Schweden haben die Endlosigkeit ihrer grauen Flächen seit alters her im Blut, sie sind keine Dramatiker, wie sie nach dem größten und zerrissensten ihrer Landsleute, dem Strindberg, gedacht werden, sondern Lyriker mit schwerem und tiefsinnig melancholischem Einschlag.
Sieht man die blitzende Sonne auf dem blau erzitternden Mälar und die unwahrscheinlich blonden und koketten hochbeinigen Damen und den Rhythmus einer kühnen und erlebnisfrohen Gesellschaft, kann man den Kontrast am deutlichsten erkennen, wenn sich die untere Tiefe der schwedischen Seele dann in ihren Volksliedern, voll der Eintönigkeit der Weite öffnet.