Aber keiner aus diesem Zug der Sehnsüchtigen kann sich selbst unter den betrunkensten Maskeraden dem Bann entziehen, der den nordischen Menschen unwiderbringlich gefaßt hat und ihn in eine seelische Bewölkung hineinzieht, die ihn verdüstert und näher an das unheimliche Schicksal zieht.

Bei jedem der dreißig oder siebzig zeitgenössischen dänischen Dramatiker, die in der Weise Schnitzlers mit Humor und nicht ohne Geist die Eheprobleme ihres Landes (in dem die Ehe korrumpiert ist wie nirgends in Europa), spöttisch und amusiert behandeln, erscheint sofort nach den ersten Takten die dunkle Unterströmung, und die Melodie des entsetzlichen Verfallenseins dieser Menschen an eine schwere Blutmitgift rauscht unter dem Foxtrott ihrer Laune tragisch herauf.

Die Franzosen verstehen anders ihre Burlesken zu runden und mit skeptischen Grimassen noch eleganter zu sein als das Schicksal, dem sie höhnisch und gewiß frivol überlegen applaudieren, wenn sie in „Porte St. Martin“ oder in „Femina“ und „Porte Royale“ die Lustspiele der Nation herunterspielen.

Bei den Dänen aber erscheint plötzlich zwischen Fräcken und Séparés und Kokotten der Wind des Fatums, der sich ihnen in den Nacken schmeißt und ihre Gesichter hinüberwendet in eine bleiche Lautlosigkeit, worauf sie, anders und seltsam geworden, und sich selbst nicht kennend, mit fremden Zungen zu reden beginnen und irre Geste zu machen scheinen.

Dann ist der Fremde in ihnen herausgetreten, hat sich verbeugt und als Stellvertreter des seitherigen Körperinhabers begonnen, eine zeitlang geheimnisvoll zu figurieren.

Alle Nordländer sind Doppelmenschen, und die Kunst fängt da an, wo sie es kapieren können.

Am wundervollsten hat dies der Norweger Hamsun gekonnt.

Die dänischen Lustspieldichter können nicht lachen lassen, die Heiterkeit klingt an entferntes Weinen an, hinter Dirnengesichtern leuchtet das Skelett, und die Süße jedes Augenblicks ist voll Traurigkeit. Die Heiteren sind hier fürwahr die am schlechtesten Maskierten, und die Pierrots sind die durchschaubarsten in ihrem Ernst.

Dieser Zug ist ein seltsamer Karneval der Täuschungen, denn die Ernsten und Schweren könnten, da hier sich ja alles und jeder dem anderen widerspricht, vielleicht voll von Laune und Heiterkeit sein! Doch entgeht keiner seiner Doppelnatur und dem Schlag ins Genick, den das Schicksal ihnen allen gibt.

Bei Jens Peter Jakobsen und dem fadenfeinen Herman Bang ist die Brechung von dem Blut her gegeben. Diese Menschen tragen ihre Bestimmung mit einer Melancholie schon von der Geburt und haben die tödliche Sehnsucht nach der geheimnisvollen Ferne, die bei ihnen Tod heißt, früh im Fleisch.