Zwei Jahrzehnte nach Neunzehnhundertzwanzig ist von all diesen Weltdingen bei ihnen kein Wort mehr fällig. Sie sitzen machtpolitisch auf dem Trockenen und wissen es nicht anders. Auch industriell sind sie nicht allzuglänzend eingerichtet, im Krieg hatten sie zum Teil kein Brot und wurden von Amerika wegen deutscher Sympathien schlecht behandelt, Norwegen ausgenommen, wo man die Deutschen gerne schlachtete, weil sie den Reedereien das Geschäft mit den Ubooten allzusehr erschwerten.

Aber in all diesen prächtigen germanischen Figuren ist die Erinnerung ihrer mythischen Vergangenheiten noch wach, ihre Träume sind belastet mit der reinen Größe der Jahrhundertfahrten, und die Edda und die Zaubersprüche haben sich nicht verloren bei dieser direkten Rasse.

Vor allem stehen sie der Mystik näher, ihre langen weißen Nächte und die Herbheit der Landschaft und die Größe der unsterblichen Meere verweben sie in höher gespannte Zusammenhänge.

Der nordische Mensch ist ein nüchterner Kostgänger, gut und sehnig gewachsen, voll beispielloser Körperkultur, aber in dem Leben des Geringsten unter ihnen nähert sich irgendeine Stelle schon dem Übersinnlichen.

Ihnen strömt das mystische Element aus der Nähe der unheimlichen Erdpole und aus der götternahen Schwere ihres nördlichen Blutes zu.

Bei den Franzosen erschöpft sich das Mystische in den Kathedralen oder in legendärer Katholischkeit, die Italiener pirschen sich darin bereits über den Eros in die glatte Sinnlichkeit, bei den Deutschen schwält es durch das Grüblerische zu der lodernden Ekstase. Die Slawen haben es bis in die Fingerspitzen der Nerven gezogen und haben sich damit bis in die Geisteskrankheit begeben mit der Form, wie sie dem Dämon des Leids sich fatalistisch schenken.

Bei den Nordländern ist eine wundervolle Brechung des Lichtes. Da scheinen Athleten und sachliche Sportsleute wie vor einem übersinnlichen Gestrahl zu scheuen, es dringt in ihr Blut und sie haben alle für ihr ganzes Leben eine Zweigespaltenheit, indem ihre Härte immer gegen das Verschleiernde in ihnen kämpft.

Sie sind wie gegen ihren Willen einbezogen in Zusammenhänge jenseits ihrer Welt. Sie stehen immer zur Hälfte in der unwirklichen Existenz der langen geheimnisvoll weißen Nächte des Sommers. Sie besitzen fast alle ein Geringes vom zweiten Gesicht.

Wenn ihre nördlich gefahrenen Schiffer aus der Zone der höheren Wendekreise zurückkehren, dann sehnen sie sich wie Verschmachtende nach dem Dunkel, sie haben wochenlang keine Nächte gehabt und konnten nicht schlafen und sie begehren das Dunkel mit Inbrunst wie man nach Geliebten aus ist, sie haben das Verlangen nach Nacht, um sich vor der übergroßen Helligkeit dahinein zu verkriechen.

So ist die Seele aller nordischen Menschen durchschienen, sie haben alle den Drang nach etwas auszubrechen, was außerhalb ihrer täglichen Welt ist. Es ist, als sei der Nordpol mit sagenhaften magnetischen Kräften auf sie gerichtet und ziehe sie in Richtungen, wohin sie nicht wollten, und wohin es sie dennoch dunkel verlangt.