Diese Mission in diesem Sinne kommt den Deutschen heute nicht zu. Aber auch die germanische Repräsentation ist ihnen nicht zugefallen.

Sie sind von slawischen und romanischen Meeren zu sehr umfaßt, als daß sie nicht im rein Germanischen schon sehr zersetzt seien. Selbst Goethe stammt aus dem romanischen Bereich, und der große Imperialist Bismarck war zur Mehrzahl Slawe.

Auch die Engländer, die politisch festgehalten waren, haben keinesweg anständig Germanisches geschaffen. Ihre prärafaelitische Mystik schwimmt in verdammtem Parfüm, Shaw ist ein sozialistischer, Chesterton ein katholischer Kelte. Das Volk hat ungewöhnliches Weltgefühl und eine Linie in die europäische Tafel gezogen von Schärfe und Kontur wie kein Volk, aber über das Zivilisatorische hinaus grenzt ihre geistige Anmut an den Kitsch. Mit Staatsmännern, Shagpfeifen, Börsen, Hockey und Burburry-Mänteln erobert man vielleicht die Erde, aber nicht die geistige Größe. Die englischen Germanen sind berufen, in der Wirklichkeit der Tatsachen jene weltmännische Rolle zu spielen, die im Geistigen hier ohne Pause gesucht wird.

Diese Rolle ist nach Skandinavien gelegt worden, und es ist ein seltsames Verhältnis des Ausgleichs, wie sehr diese kleinen Länder, die politisch bedeutungslos sind, bei denen von Eroberung der Welt wenig die Rede sein kann, und die auch sonst abseits des weltlichen Getriebes liegen, geistig eine Rolle spielen, die in einem riesenhaften Verhältnis zu ihrer sogenannten Macht steht.

Hier hat das Germanische sich am geschliffensten und echtesten erhalten. Da ist sein Zentrum zurückgekehrt in den Norden, aus dem die Ströme der Völker seinerzeit ausgeflossen waren.

Da haben die Menschen noch die weißblonden Haare und die gereckte Kühnheit, die sie gegen die Gletscher und das Eis einst kämpferisch stellte. Sie sind voll vom Blutsaft der alten Traditionen, auf den Färöerinseln singt man noch die altnordischen Weisen, in Lappland lebt der alte Götterglaube noch. Dazu hat sich angesammelt, was die Wikingerfahrten aus südlicher Süße, von syrakusaner Himmeln und afrikanischen Sonnen mitgebracht haben, und die Tragik der lombardischen und keltischen Züge, die Schicksale jener nordischen Horden, die teils an den romanischen Mauern sich zerschlugen, teils neue Reiche bauten, hat sich erlesen in ihnen ausgereift. Es ist etwas müd äußerlich in den Gedanken des Nordens zurückgekehrt. Die imperialistischen Träume sind geträumt.

Die Rolle hat jedes Volk einmal gespielt, die Welt beherrschen zu wollen, selbst Holland und Portugal und Belgien schritten auf dem Regenbogen des Machtwahnsinns daher, aber die Vorsehung spielt ihr Ablösungsspiel mit immer erneuter Ironie, doch kein Volk hat den Blick, ihre Komödie zu durchschauen, und jedes rennt fanatisch und mit irrsinnigen Rufen, die alten Masken vorm Gesicht, auf die Kanonenrampe.

Schweden hat die Epochen seiner Eroberungen mit Karl dem Zwölften begraben, Dänemark führt keine Eroberungszüge mehr, um den Norden zu unterjochen. Von Norwegen stoßen keine Seeräuberheere mehr nach der Provence und Sizilien. Das ist vorbei.

Die Zeit der Maschinenschlachten und der Dutzendmillionenheere hat Resignation gebracht. Wenn Europa nicht stirbt, gibt es vielleicht einmal eine spätere Zeit, die auf diese Landreservate zurückgreift, um sie mit weiserem Hohn lächelnd gegen die aufgeblasenen Sieger von heute auszuspielen.

Vielleicht sind es dann geistige Waffen, mit denen sie siegen oder irgendein Instrument, das vorzieht, bei der Minderheit nur zu funktionieren. Vielleicht lernen sie die Sonne einzuwecken oder das Kohlenatom zu sprengen, um mit zweitausendmal mehr Dynamik in das europäische Konzert zu treten.