DAISY: Ich habe nichts Besonderes getan.

KEAN: Als du kamst und mir sagtest, an mir wärest du aufgerichtet und vertrauend auf die Wahrheit geworden, irrtest du. Das Umgekehrte hat das Recht. Nicht du an mir, sondern ich an dir, ich ward an soviel Hingabe erst sehend und gläubig.

DAISY: Willst du dieser Frau nicht die Tür öffnen, damit du nicht mehr die Unwahrheit zu sagen brauchst, wenn nach ihr gefragt wird?

KEAN: Glaubst du nicht, es sei edelmütiger, durch Lüge zu retten, statt mit der Wahrheit zu vernichten?

DAISY: Ich glaube, daß eine Lüge selbst in diesem Falle nicht zum Besten führen kann. Man lehrte uns im Kloster, daß wir nicht gezwungen seien, die Wahrheit zu sagen, daß wir aber nie lügen dürften.

KEAN: Ich werde dein Schüler sein. Man muß alles neu anfangen. Nimm die Führung. Ich habe zu viel geführt, um die Irrtümer nicht zu sehen. Der Rest war Einsamkeit. Ich folge dir, weil ich dich liebe. Öffnet die Tür, ruft: Leer ... das Zimmer ... das Fenster auf ...

DAISY läuft hin, hinein, zurück: Ahnte ich es? Tot? Meine Schuld. Meine Strafe, weil ich log, ich sei deine Geliebte. Bin ich verflucht? Ich bin doch verflucht.

KEAN: Durch das Fenster ... Faß dich. Sie ist entflohen.

DAISY: Und unten?

KEAN: Wer nicht geführt wird – die Themse.