Ich habe dich nicht geküßt.
Aber noch höher riß uns wie dieser Rausch die Stunde in dem großen Saal mit blitzendem Silber, dem Weiß, den Lichtern und der Musik von tausend redenden Menschen . . . alles um dich wie ein Wirbel, der dich schmückte, geschart. Als wir einen schönen Fisch zwischen uns teilten und du den burgundischen Wein zwischen dem Rosa deiner Hände hieltest, der wie Wachs war und Öl und nach Erde schmeckte, herb und herbstlich. Wir redeten und unsere Silben liefen wie Schlittschuhläufer atemlos über die Ebene der weißen Decke aufeinander zu und trafen sich maßlos beseelt wie in einem endlosen Raum von Verzückung. Lolo, Traum und Rasen schwellten mich, als wir damals unter Menschen gingen, um allein zu sein.
Und vergiß nicht den kleinen Jungen, der uns den Weg zeigte, die Fassade des Römer in der Nacht, und daß ich einmal nach deiner Hand haschte.
Es war. Es war Ewigkeit. Auch dies.
Du hast mir, als wir noch sehr jung waren, du hast mir vor drei Jahren einmal ins Gesicht geschlagen.
Wie ist dein Gang nun königlich.
Deine Augen, in denen Gefahr ist und über denen ein ewiges Losschnellen hängt, sind mit Güte verdunkelt. Wie groß sie sind.
Als der Bahnhof mit dir entschwebte, als ich fuhr und deinen Rücken sah, der sich vor mir bewegte, fiel die Finsternis gelöschter Laternen wie prallender Regen auf die Halle, die zurücksank.
Ich werde dich auch nicht küssen, wenn du morgen kommst.
Blumen will ich an dein Bild heften an der Wand. Freude soll dich schwellen, wenn du hereintrittst. Vieles will ich dir schenken, viele Sachen, Spitzen und Bilder und Plastiken. Heute Nacht will ich dein Bild mit Blicken in den Raum werfen über meinem Haus, daß es, von meinen Augen rasend gehoben, gleich einem zuckenden Stern über den Himmel zischt. Aber ich werde dich nicht küssen.