Du . . . mein Blut ist wie ein Büffel auf der Steppe im Frühling nach dir. Ich will es dumpf machen, die Herzklappe schließen, daß sie schrundig anschwillt. Will lächeln und die Zunge in den Hals zurückstoßen, daß ich ersticke am eigenen Atem, der nach deinem Mund raucht. Fieber wird mich ausbrennen — ich werde deine Hand halten ruhig und selig wie ein Kind die Schnur seines Drachen, der groß und schön in einem flockigen Abend steht. Werde dem Blut befehlen, nicht weiter zu fließen als die Handgelenke, daß die Finger einfach bleiben. Mögen Katarakte in meine Knie stürzen. Du wirst nicht sehen, wenn sie zittern.
Denn es gibt einen Tag, der bleiben muß, aufgerissen und kühn über jeder Umarmung, die ihn vernichten würde . . . Gibt einen Tag, der bleiben muß . . . Freude (siehe) stirbt in jeder Umarmung. Unendliche Freude unseres staunenden Lachens am ersten Tage wird darin sterben. Lolo, Seligkeit soll einwachsen in unsere Seele zuerst und sicher, bis sie klar darin schwebt wie eine Kuppel in Kathedralen, wie ein Dolch in einem gerundeten Wappen. Darum Lolo, darum will ich mein Blut niederwerfen, wie Moses die Amalekiter hinschlug, indem er die Hand hochstieß, senkrecht in den Himmel.
Dies da ist mehr (und ich weiß es brennend und stärker aus vielen Umarmungen) als eine schwere Nacht mit dir: daß ich später über alles hinweg, was komme, die reine unendlich große Luft der Ewigkeit spüre, wenn ich an dich denke, wie ich es tat, als ich nach Hause ging und den Brief fand, der dich ansagte . . . und als die Schatten noch unbeknospter Birken in Mond und Dämmerung auf den Asphalten froren . . . wie es steht in mir tänzerisch und steil auf der hochgerissensten Welle:
wie du auf der Alten Mainbrüche standest, Wasserruch dich umspannte, letzte Sonne, als der Fluß, ruhiger verströmend, dich plötzlich liebte, Horizont aufbrach um dich, gelb und ungeheuer und dich mit wilden Schreien die Mildheit hundert weißer Möven umflatterte . . .
und dann wie du durch den Laternenabend Frankfurts neben mir gingst in der fließenden Schönheit deines fürstlich grünen Kleides, und, die ich dir in einem Wagen am Ufer gekauft habe, die glasgoldenen Kugeln von zwei Apfelsinen in den Händen strahlend wie deine eigenen Brüste über die Kaiserstraße trugst.
Anmerkung zur Transkription
Quelle: Die weißen Blätter, Verlag der weißen Bücher, Leipzig, 1915, pp. 1259-1262.