Die Freude losch aus ihren Blicken. Und das Schweigen brechend wandte sie ihre erschütterte Seele gegen ihn und beschwor ihn. Während die stille Sicherheit, die sie aus den vergangenen Tagen gesogen, einstürzte vor neuer Qual, rief sie die Schlichtheit seiner Gärten vor ihn hin, die Kanäle, die Flüsse, die Paläste, Samarkand. „Leben wir. Laß das Unnötige.“ Sie zog den Mund in einem Bogen, daß die gedämmte Inbrunst der Sprache über ihr Gesicht rann und sie verstummte.

Eine Flamme schoß aus den Augen der Chinesin, Timur schüttelte den Kopf: „Ich gehe bis an das Ende.“

„Gott hemmt dich in mir.“

„Du warst der Stachel nur Gottes, daß ich nicht rastete.“

Sie riß mit einem Schrei das Kleid von ihrer Brust und jammerte: „O daß ich dich tötete . . . o daß ich dich tötete.“

Mit einem Sprung kehrte sie sich um, legte die Hände vor den Mund, und, vor ihn tretend, rief sie hinunter zur Tribüne:

„Vorhanghalter, laß den Vorhang fallen. Es ist keine Vorstellung mehr.“

Doch auf ihre kleine Stimme, die nicht hinunterreichte, geschah nichts. Sie kehrte, die Hände senkend, sich um.

Sie sah auf Timurs Stirn mit einemmal die Stelle, die der Pfeil getroffen, erhellt wie ein rotes Gestirn, von dem Riefen nach den Seiten liefen und heller wurden. Hinter seinem Kopf stieg die Sonne aus dem Gebirg, und sein Gesicht, aufgeklärt und wie mit einer Keule verdichtet, wuchs zu Granit hinein in die roten Kreise, die sich darum nieteten und ihre Strahlen aussandten, die schon den letzten Horizont entzündeten.

Da nahm sie die Hand an die Stirn und fiel, zurückgedonnert von diesem Gesicht.