Sein Gefühl verbreiterte sich. Er lebte sein Dasein bis zum sechzehnten Jahre rund herum aus im Kreis der Begriffe und Dinge, die ihn umgaben. Die Gedanken waren schlicht. Die Dinge gestalteten sich einfach, nur im Verkehr mit primitivem Dasein. Selten nur brachten anlegende Schiffe Europa in sein Blickfeld. Aber seine Seele saugte sich fest an Küste, Meer und Land.
Dann sandte ihn die Mutter, die noch vier Jahre die Welt durchschweifen wollte, von sich, damit er in den europäischen Dunstkreis eintrete. Sie stellte ihm große Wechsel aus, und sie verplauderten den letzten halben Abend.
Darauf ging er hinaus in den Garten. An der großen Hecke der weißen Himbeeren stand Kalekua, die dem Geschlecht der Könige verwandt war, sang vor sich hin und schaute über ihren Garten hinauf zu ihrem hellen schönen Haus. Jean François, die Brust von Weite erfüllt, rief ihren Namen, mit der er die anfänglichen Spiele erster Jugend geteilt hatte. Sie wandte sich um.
In diesem Augenblick hob sich das Gefühl abenteuerlicher Ferne, in die er verlangte, zu einer großen Welle, und er, dessen Hände noch keine Frau berührt hatten, überströmte den Körper des Mädchens mit Liebkosungen. Ihre dünnen Gewänder schwanden unter seiner Hand, und er fühlte ihre weichen und wunderbar gerundeten Glieder ihm entgegenfliegen. Da faßte er sie auf die Arme und trug sie noch tiefer in den Garten in die Mulde einer Platane.
Ganz umhängt von ihrem Duft hob er sich in den Morgen, schiffte sich ein und fuhr nach England.
Nach zwei Jahren schon zog seine Mutter ihm nach; Sie nahmen ein Haus in der Nähe des Hydeparks. Sommers zogen sie auf ein Landgut in Schottland. Sie empfingen viele Menschen, gaben große Gesellschaft und hatten ausgewählte Freunde. Aus ihren Besitzungen flossen gewaltige Mittel immer erhöht ihnen zu, später verkauften sie Anwartschaft und Faktoreien und breiteten das Kapital in englischen Anlagen aus.
Vor der Wirklichkeit dieses fest gegründeten Daseins sank die Jugend der Südsee, fast vergessen, in Traum zurück. Jean François studierte in Cambridge, züchtete Hunde und hatte Anspruch auf die diplomatische Laufbahn. Mit neunzehn Jahren hatte sich die Luftschicht weltmännischer Beherrschung dicht um ihn gelegt.
An dem Tage, wo er den großen Preis im Ballspiel für das westliche England errang, starb seine Mutter. Er erfuhr es, als er, den Kopf zurückgelegt, sich von der Richtertribüne wendend, nach der Seite ging und den Diener sah, der ihm den Brief überreichte.
Er war einundzwanzig Jahre, hatte einen glänzenden Körper und gute Zukunft, wie viele sagten.
Er kehrte nach London zurück, verschloß die Fenster und nahm am brennenden Kamin das Bild seiner Mutter vor und beschaute es. Sein Herz öffnete sich nicht, sie heftig zu beweinen. Kaum ward ihm die eingetretene Leere bewußt. Eine Unbegreiflichkeit waltete über seinen Gefühlen, daß sie ihn, dem Schwung erhöhter Seelenlagen fernhaltend, alle Empfindungen nur von der Oberfläche diktiert und durch etwas von seinem inneren Dasein getrennt erleben ließen. Er zog in der Folge roten Dreß an und jagte Füchse und legte die Sachen der Mutter beiseite. Beim Jagen und raschen Leben kam ihm geringer das Gefühl, in leichter Betäubung sich zu befinden.