Morgens begann das Spiel des ersten Tages. Aus dem Zelttuch, das das hölzerne Theater deckte, fielen zerstäubt gutriechende Wasser. Dann zog weißgegürtet Villon auf einem Esel über die Bühne. Hörner erhoben sich.
Der König betrat die Loge. Unter Schweigen vollendete sich bis zum Abend das Spiel. In der Dämmerung erst gab es Tumult. Ein Taschendieb schnitt einem Adligen den Ärmel ab und versteckte ihn. Villon ließ ihn auf einen Pfahl schnallen und verhöhnen, denn er gedachte streng zu sein in seinem Bereich.
Aber in der Nacht band er verkleidet den Sträfling ab.
Der zweite Tag begann mit Hitze, am Mittag schon wurden die Gesichter schlaff. Die Kinder auf den Brüstungen schrien. Das Volk hetzte Hunde in die Arena.
Gegen Abend fiel der Tod des Judas, den Villon spielte. Während sieben Teufel mit Hammelschädeln und Kuhglocken über dem Kopf tosten, erhob sich eine dunkele Sonne. Satan stand auf, goldbraun im Gesicht, mit einer Krone aus rotem Satin und orientalischen Perlen. Judas fiel weinend vom Gerüst. Und weil sein Mund zu niedrig war und verräterisch, die Seele zu entlassen, platzte der Bauch, dem sie entstieg.
Der König erhob sich Beifall winkend.
Zurücktretend hinter die Kulissen fühlte Villon einen Zettel, der sich in seine Hand schob. Er sah sich um. Als sei nichts vorgegangen, stand hinter ihm eine der Sibyllen, deren Tanz sich den Morgen in sein Bewußtsein geprägt hatte. Es war eine elende Dirne, aber ihr Mund glühte von Worten, wenn sie sprach.
Beim Austritt in die Stadt verhafteten die Leute eines Bischofs Villon wegen des höhnenden Verses auf die Mönche, allein ein Reitender des Königs machte ihn wieder frei.
Er betrachtete nun das Papier. Es war ein Bild: die heilige Susanne, ein Bein ins Bad setzend, mit den Augen lächelnd. Es gefiel Villon, daß er lachte.
Am letzten Mittag kam Villon, Christus spielend, auf das Podium.