Aber sie wandte ihm nur das Gesicht zu. Es war jung und strahlte groß. Ihre Haare waren weiß. Es war die Herzogin.
Sie staunte nicht. Sie lächelte nur und winkte einer Dienerin, die den Baum von ihm nahm.
Doch da schrie er schon nicht mehr, sondern kniete verzückt und wagte nicht aufzusehen. Lang blieb er so vor längst verschlossenem Tor.
Mit der Dämmerung erhob er sich und singend: Regina celi laetare alleluja — schritt er, die Arme ausgebreitet, nach seinem Haus. Dort schloß er sich ein und sang Tag und Nacht. Erleuchtung schien über ihm zu sein. Aber nach einiger Zeit kam er heraus, älter in der Haltung, aber froher, durchlebter von Geist, und wandte sich seiner Tätigkeit zu wie seither.
Er floh nicht.
Nichts änderte er an sich. Wochenlang sah er kaum nach dem anderen Kloster. Er sprach weniger zu seinen Genossen. Mittags einmal, als sie speisten, erschien ein großer Edelmann des burgundischen Hofs und ließ Hörner blasen. Der Abt erschien. Er aber wollte nur zu Villon, dem er die Bitte brachte, zurückzukehren. „Weiber und Löwen brüllen nach dir,“ schrie er hinauf nach Villons Fenster, der ihn in dieser Haltung empfing. Doch Villon sagte: „Gib ihnen Fressen“ und machte eine Bewegung, eh er zurücktrat, lächelnd mit der Hand.
Nachts nach Wochen brach er einmal auf, er widerstand nicht mehr. Wie ein Dachs umschlich er das andere Kloster. Seine geschärften Augen nahmen die Steigung jeder Treppe, die Bewegung jedes Lichts auf. Er wußte bald um das Zimmer der Priorin.
Dann zog er sich wieder lange in sein Zimmer zurück. Seine einzige Genossenschaft waren zwei Tauben, gefleckt wie Falken mit langen Schweifen. Sie trennten sich nie mehr von ihm. Ging er in hellen Nächten über Land, saßen sie auf seinen Schultern, und sie umtanzten ihn im Garten, wenn er grub.
Eines Tages aber beendete er diese Art mit ihnen zu sein. Er zwang ihnen seinen Willen auf, daß sie aufstoben, sich in die strahlende Höhe warfen und verschwanden. Sie wußten ihr Ziel.
Jeden Monat einmal schob er Papier in ihre Federn, auf dem Verse standen. Doch schämte er sich dann ein jedesmal. Einmal aber hielt seine erstarrende Hand, die die Heimkehrenden aufnahm, beim Einfangen eine Blume fest.