„Sind es die gleichen Pferde?“ fragte Timur.

„Die gleichen,“ sagte Zeinabdeddin.

Timur ließ sich eine Fontäne bauen von gefangenen persischen Künstlern. Die Abende wanderte er in großen Kreisen um den Auf- und Niederfall des Wassers. Er ging darauf zu, streckte die Hand aus und zog den Kopf rasch zurück zwischen die Schultern.

Im Frühjahr schwanden dann alle Zelte. Der Horizont besternte sich mit fliegenden Punkten. Sie schwollen zu Lawinen, stürzten zusammen, sie trabten, die Ebene hallte unter ihnen. Sie stiegen hoch und sammelten sich aus Westen in der Wüste Ergimul. Im Osten wirbelte das zweite Geschwader, breite Schenkel bogen sich um klopfende Bäuche. Pferdehälse strotzten von jagendem Blut. Sie hatten den Wind im Rücken und schwiegen. Sie stauten sich in den Hordas von Baschir.

Zwei ungeheure Halbkreise brausten, Pferde mit kleinen Tataren, bartlos, Bogen über den Rücken, über das asiatische Tiefland nach China. Ihre runden Schwerter blitzten in der Sonne. Sie wälzten die Steppen blank. Die Weiber auf den Sätteln, schienen sie, zweiköpfig in der Dämmerung reitend, gegliedert bis ins Unsichtbare. Ihre Gäule wuchsen mit wiehernden Hälsen in den Himmel hinein.

Über gelben glühenden Sand trabten sie und warfen sich gegen die chinesische Mauer, die nackt und weiß vor dem Horizont hinstrich. Vierzigtausend schlugen einen Haken, nahmen verborgene Pässe und stürmten in chinesische Rücken. Vor den Angreifern glühte die Mauer vor Sonne, die Hufe der kleinbeinigen Pferde schmolzen. Die Mauer fiel gespickt von Pfeilen. Ein Mandarin, auf die Mauerreste tretend, flog, zerfetzt von Flitschpfeilen, so zerrissen in die Luft, daß kein Rest des Körpers übrigblieb. Über die Mauer rennend, durchschwammen sie einen Strom und rieben die anziehenden Heere auf in einem heißen Tag.

Die Nacht ritt Timur von seinem Zelt los. Ein Reiter Axallas fragte, ob er den gefangenen König haben wolle, „es hat Zeit,“ sagte Timur und ritt. Es war eine Nacht voll Hitze, und die Körper faulten schon auf der Sandsteppe. Der Mond fehlte.

Über den weithin getürmten Leichen in farbenen Seiden wogte eine Helligkeit wie Gas, ein grünliches Weben, das sich zäh an den Boden klammerte, als ob es nicht sich heben könne. „Ihre unreinen Seelen stinken in den Himmel,“ sagte Zeinabdeddin, aber Timur entgegnete nicht.

Sein Auge trat groß und opalig, stumpf wie eines Schauspielers, aus der Wölbung, und es schien, als tanze ihm gehorchend die Landschaft auf diesem halben Bogen und der mit Gestirn dünn übergossene Horizont.

Die Klammer der linken Hand, mit der er die Bogensehnen spannte, hing verdorrt um einen Zügel gehakt.