Über die Schulter lächelnd antwortete der König: „Fürchte nicht, daß der Gott, der in mir so lange lebte, seine Bestimmung im Stich läßt.“

Da hob sich der Vorhang, und die im Morgen aufgekommene Sichel des halben Mondes hing vor ihnen.

Während er unter ihr dem Wagen zuschritt, kam ein Zug Frauen aus Osten an. Timur sah nicht nach ihnen, wandte den Kopf nach der Seite, und wie seine Blicke zwei Tataren trafen, sprangen sie hinter den schreitenden König und zerhieben ihn.

Der Zug der Frauen aber stieß an die Ecke des Zeltes, ein Kamel kniete nieder. Reiter sprengten danach durch die Fülle der Frauen hindurch. Aus den zweihundert aber lief eine heraus. Sie stellte die Arme zur Seite, bog die Hände aufrecht, trat weiter heraus, die Augen geschlossen, und hatte die trübe Sonne über dem Gesicht. So schritt sie führerlos über den Leichnam, ohne zu fallen. Ihr Fuß netzte kein Blut. Sie ging bis zu Timur, hielt eine Weile, öffnete den Mund mit einem leisen Ton und rief dann:

„Ich hindere dich weiterzugehen. Es ist genug.“ So blieb sie stehen, zunen Gesichts. Sie war eine Chinesin. Timur befahl, sie nicht niederzuschlagen.

Von dem Kamel glitt Miser Ulek. Sie deutete auf den Zerhackten: „Die Krone des Glücks fiel von seinem Haupt.“ Sie legte die Hände rund aneinander und preßte ihre linke Brust. Den Kopf frei zurückwerfend sah sie auf die Chinesin, deren gebrochener Blick sie nicht empfand.

Timur sah den Blick, der zerstörte, auf was er traf.

Er maß die beiden einige Zeit.

Dann schob ein Wink sie weiter, der Zug rollte davon.

Am Abend ließ er seine Lieblingstochter, mit der er schlief, zu dem Haus seiner weiblichen Kinder zurückkehren und überließ ihren Pfühl Miser Ulek.