„Gebt ihn ihr.“
Sie hielt ihn wenige Sekunden in erstarrten Händen, warf plötzlich die Hände, ihn anstierend, abschattend vor die Augen, öffnete den Mund und fiel bleich um, ohne Ton.
. . . Timur trabte auf Samarkand.
Den feigen Offizier führte er in einer Kiste mit sich, zu gering, ihn zu töten, ließ er ihm den Bart scheren, ihn mit Bleiweiß und Mennig überstreichen und barfuß, eine Weiberhaube am Kopf, durch die Stadt gehen. Am gleichen Tage, wo er die Chinesin zu seiner sechsten großen Frau mit der bepfauten Tiara erhob, gab er Yakou eine Tochter und endete Zeinabdeddins verbannende Mission.
Kein Maß hielt mehr, keine Prüfung, den schleudernden Herausbruch seiner Pläne.
Filzzelte rauchten über den Ebenen. Tataren kämmten vom halbmondig geschorenen Kopf die Haare lang nach dem Nacken und ölten die Brust Der Himmel glühte in riesigen Bogen vor ihnen her. Der Donner der geschlagenen Steppe rollte vor den Hufen der Geschwader. Dann jagten sie an.
Sie schossen Flitschpfeile, und die Dörfer qualmten auf. Sie rollten durch die Reisfelder. Auf Nachbarbergen standen Lärchenbäume. In dunkle Ballen geduckt, zogen sie in schwindelnden Höhen durch den blauen Himmel über eine Brücke nach Almaligh. In der Stadt fließender Brunnen, um die Türken und Chinesen wohnten, hielten sie Feste, fraßen rohes Pferdefleisch mit blänkernden Zähnen, tranken mit Gekrisch Kumis die runden Nächte. Sie raubten die türkischen Harems aus und beförderten einen Abkömmling des Propheten durch Keulenschläge zum Martyrium.
Die Steppe flimmerte unter dem Reiten. Sie bekam metallene Ränder, die sich erhitzten. Der Boden glühte gläsern. Ihnen schmerzten die Augen, doch sie ritten.
Von einem Baum fiel nachmittags ein Affe und biß Timur in die Achsel. Er gab nicht Acht auf das Geschwür, das eiternd anwuchs. Die Chinesin gab ihm Salben darauf, aber es riß neues Fleisch in sich hinein. Timur ließ zwei Menschen täglich schlachten, deren Hirn die Wunde fraß und, satt, nach Monaten sich schloß.
Stumm, ohne Rede, sah ihn die Chinesin an, die sein Pfühl öfter bewohnte als die anderen Frauen. Seine Stirn war blank.