Unser Blick, allzusehr befangen im Irdischen, täuscht unsere Liebe zu leicht.

Inbrunst ohne die Strenge aber ist zügellos. Der Glaube nur, der sich aus Sehnsucht selber peinigt, wird endlich aktiv. Tieferer Sinn steigt erst aus der Mißhandlung. Schmähung der eigenen Hingabe macht sie erst süß. Hier muß viel gewagt werden, um das Undeutliche zu vermeiden, alles, um das Gerechte deutlich zu machen.

Eifer allein ist die Leidenschaft des Beschränkten.

Kühnheit, die sich quält, ist das Ziel des Edlen und Tapferen.

Schon der Außenstehende hat zwischen dem Absoluten und sich die Zeit. Der Innenstehende und Beteiligte hat zu der Zeit noch die Sehnsucht, daß der Ausdruck, dem er die unendliche Form gibt, der dauernde sei. Ihm verwirrt das Urteil noch dazu die Liebe.

Es gibt darum nur eine Forderung: Grausamkeit.

So allein vermag manchmal das objektive Bild aufzustehen und blank zu scheinen. Doch auch dies ahnen wir nur. Die letzten Urteile werden erst in der Zeit gefällt, nicht in der Zeitlichkeit unseres Tags.

Um gerecht zu sein, bedürfen wir vieler Distanz. Die aber haben wir nur durch den Mut der Strenge. Ja, wir müssen es wagen, voll Hoffnung, unsterbliche Ziele aufzutürmen, den Gedanken zu halten, wir seien ein Spielzeug nur der Schöpfung und was uns groß erschien und das Höchste, sei nur ein kleiner Versuch. Hohn käme über das, was wir liebten, Verachtung auf unsere Inbrunst. Auch dies bedenkend, muß der Angriff gewagt sein.

Es muß der Mut da sein, größer als jener, der bejaht, sich selbst zu schänden, zu bluffen, geformtem Ding den Schädel einzuschlagen, voll der Neugier, ob Bleibendes sich weise. Nur Wille, sich selbst zu mißtrauen, macht die Sehnsucht frisch, das Positive rund.

Nur so erhält das prüfende Auge Distanz.