Sollte das Ziel im Beginn schon immer entweichend, Traum unserer Kultur ein Phantom, flüchtig gleich einem Tier und nie einholbar bestem Herzblut bleiben? . . . Ach, sollte die Tragik deutscher Jugend ohne Ende sein?

Medusisches Antlitz der Verheißung wieder verschwimmen? Alles umsonst getan sein in der Zeit, wo deutsche Jugend, zerstückt wie nie, unter Feuer und Eisen der Kanonen verdirbt, alle Begeisterung, alle Anstrengung umsonst in der Wirkung, die wir der Sinnlosigkeit entgegenhalten? Ach, Sie, der Sie solches nicht vom satanischen Mittelpunkt, es in abgeschwächten Echos der Peripherie und entfernter nur spüren, Sie ahnen die Anspannung nicht, mit der wir das Gegengewicht halten dieser Welt jeden Tag. Sollte dies zwecklos sein? Kann man das glauben? Wo bliebe Gerechtigkeit, Sieg des Geistes? Das Ziel herrlich gepflanzt in solcher Zeit, und nichts erreichen . . . wie schmerzlich. Wäre es möglich, frage ich, in solcher Zeit zu leben ohne den Glauben an die Menschheit unserer Idee, an die innere Überlegenheit unserer Minorität? Wäre es möglich, einen Tag nur zu existieren, ohne daß Geist, heftig umwerbend, über uns stände? Unmenschlich und sinnlos der Zweifel.

Kein Nacken erhöbe sich, kein Lächeln erleuchtete mehr die Welt, fiele er nicht ab. Kein Hirn wagte den Gedanken der Menschheit einmal nur noch zu fassen. Wäre zu denken, daß einem dies fehlte?

Fiele die Erde nicht, meteorisch und zwecklos, feuergeflügelt ins Nichts?

Wäre der Mensch denkbar, wäre es möglich, daß es einen gebe, einen, der den Mut, der die Stirn hätte, die unmögliche, dieser Zeit nur den Blick eines Auges lang entgegenzutreten ohne den Glauben?

Bedenken Sie diese Frage, die fast eine verzweifelte ist, aber als bestätigende und sichere sich ausweist . . . ich weiß, Sie werden und müssen die Antwort, damit gerecht gemessen werde, Sie müssen die Antwort sagen:

Nein.

Über den dichterischen Expressionismus

(Herbst 1917)

Wenn man, selbst verstrickt in eine Bewegung, (auch wenn sie einem selbst keinen aktuellen sondern nur über-zeitlichen Sinn hat . . .) darüber auszusagen den Drang spürt, bedarf es vor allem Unerbittlichkeit und Hingabe. Voll tiefem Glauben an die Idee habe man Mißtrauen gegen die Zeitlichkeit.