Hölderlin.

Über die dichterische deutsche Jugend

An ein skandinavisches Publikum (März 1918)

Nicht, was man wähnt, einigt uns: nicht jenes Alter auf der Wage schwankend der Zwanzig und Dreißig.

Nicht unsere Geburt in solcher Zeit, die uns heißt, auf die Rechte der Jugend verzichten, die uns nimmt, was Generationen vor uns inbrünstig verführte: das Meer, die Welt . . . die uns Eingeschlossenen diktiert, statt Lockungen und Freiheiten nur das eine zu sehen: Tod und Pflichten.

Nicht Kampf gegen schon Stürzendes verbindet, wo wir doch, toleranter, duldsamer als Vorangegangene, auf Formales geringsten Wert legen, wo künstlerische Fragen, im Äußeren nur ruhend, uns gleichgültig abgewendet sehen, vielmehr bedacht auf die Gesinnung.

Die Bindung ist das Ziel geistiger Kunst.

Wir spürten Jungsein in uns, als wir aufwuchsen, niemals um uns aber Jugend. Wir blieben einzelne, bis selbst schaffend, an gleicher Arbeit erglüht, wir gemeinsame Ziele, gleiche Begeisterungen an Stirn und Gesicht erkannten.

Nun waren wir herausgeschleudert aus abseitiger Verzweiflung, nun waren wir ganz: Generation.

Eine Welle steigt mit den Mannesaltern, oft seltener noch, auf, und ihr Zittern steht gefangen noch lange in der folgenden Zeit. Die Herzen stehen bei ihrer Hochfahrt gereckt, Enthusiasmus entflammt, aus großer gemeinsamer Idee gebiert sich die Gemeinsamkeit: Jugend.