Denn junge Menschen gab es zu jeder Zeit. Junge Menschen gab es, solang wir unsere Knabenzeit zu den Jünglingen entfalteten und wuchsen. Nie aber stand sie als Schar. Nie als Phalanx. Nie sahen wir Zusammensein zu großen Taten, nie begeisterte Munde, die dies forderten, jenes schufen, anderes in heiligem Eifer zerschlugen.

Jungsein allein genügt nicht.

Ist nicht, was Generationen mit dem Unvergleichlichsten und Vergänglichsten, dem Namen der Jugend nennt. Es ist nur die Idee.

Der junge Mann, den der Bürger soupçonniert, den der alte Mann haßt, den reife Frauen verlachen, der junge Mensch ist nur ein Mißverständnis des Temperaments. Jugend, geschart, rufend unter Fahnen der Idee, die sie führt, Jugend, geeint, ist eines der gewaltigsten Dinge, eine der Umwälzungen, die die Menschheit weiterbringen.

Jugend dieses Sinnes heißt Revolution des Geistes.

Wir, in steriler Zeit groß geworden, nach schon gestorbenen Naturalisten geboren, die Karusselle bürgerlichen Weltgefühls eitel um unser Erstaunen schwingen sehend, wir, im Wachsen von keiner Dichtung begleitet, wir, die entbehrte, sehnsüchtig erwartete Ziele demütig und verwundert in eigener Brust entdeckten . . . wo grüßt uns Herzschlag wie unserer, wo stürmten sie Barrikaden vor uns, wo dröhnte das Zittern zuletzt, das uns so beseligt . . . ist das nicht unsere Frage?

Ganz unten steht die Rotte um Goethe. In deutschem Sturm und Drang bricht sich Bewegung, Soziales gemischt mit der Literatur, da bereitet chaotisch sich vor, was Harmonie werden soll, unser aus blutendstem Herzen erschrienes, aus letzter Sehnsucht und jetzt schon fast verzweifelt ersehntes Ziel: deutsche Kultur.

Da unten zerstörten junge Dichter ihr Leben, da sie so leben wollten, wie sie dichteten, und da die Zerrissenheit ihres Geistes Ausgleich finden mußte in äußerem Schicksal.

Glänzendes Feuerwerk.

Revolte der Kraft gegen die Verzweiflung. Ihr Dasein zerfetzt wie ihre Dramen. Ihr Leben ist kurz.