Sie gehen nach Rußland, sterben in Moskau, sterben in Italien, sterben in der Schweiz. Sie sterben in Deutschland.
Als steiles Monument ragend immer nur: Goethe.
Als hätten sie sich zerstören müssen, nach irgendeinem Schicksal, daß in Goethes Saft solch unaussprechliche Kraft und Süßigkeit flösse, die nach allen Seiten, gerecht und harmonisch, einen Untergrund legte zur künstlerischen Struktur unseres Geistes, unserer Zeit.
Wieder eine Ballung, wieder ein großer Versuch zum geistigen Ausdruck: die Romantik.
Da erhoben junge Leute sich zur Höhe des Gefühls. Da trugen Schwärmende durch die Strecke vom Hirn gesäuberter phantasieloser Jahre, durch Jahre, vertrocknet von Aufklärung, das Herz vor sich hin. Gelösten Schrittes aus Toga und Chiton herausschreitend zu phantastischem Barock, in mittelalterliche Bewegtheit, zog sie die Buntheit ihres Rhythmus zu den mystischen Quellen des Blutes.
Ihr Stil erhielt Lockerung, ihr Geist die Spannkraft, in barocker Geistigkeit deutsches Wesen zur Idee zu schmelzen. Bewegung schüttelte die Literatur von innen. Nach außen war Stille.
Nicht jener Feuerbrand der Franzosen: Mussets Lieder, die den Boulevard überflogen, Victor Hugos stampfende Forderung „couleur“, Théophile Gautier, Fels in roter Weste, der alle Premierenschlachten schlug.
Nein, gelehrtenhaft ging es, wie es deutschem Wesen früher entsprach, in der Stille der Korrektheit bis zum Verwelken.
Der letzte große Versuch zum geistigen deutschen Stil verflammte hier.
Noch war der Leib des Volkstums nicht genug in Training, nicht stark genug von Massage. So brach die Welle ab, die vor säkularer Epoche Deutschland, seinem Mittelalter näher, des Stromes der Kraft eigenmäßiger bewußt, seinem Katholizismus dichter ans Herz binden wollte.