Noch sind unsere Augen zu befangen. Noch haben wir nicht Raum zum Sehen. Einziger Regulator geleisteten Werkes bleibt nur die Zeit. Das letzte entscheidet, das wissen wir heute wie immer, die Kraft.

Dies ist aber die größte Verwirrung, daß die Menschen, geschlagen von dem Geist der Zeitlichkeit, die Ambition der Leistung verwechseln mit dem Werk.

Wohl steigt der Wille des Geistes heftiger und höher heute, aber die Entscheidung letzter Stunde liegt bei der Persönlichkeit. Niemand ist gut, weil er neu ist. Keine Kunst ist schlecht, weil sie anders ist. Diese Anmaßung wäre grenzenlos. Ruhig urteilendem Gefühl der Gerechtigkeit nach ist nur das Gute dauernd, nur das Echte gerecht.

Ein guter Impressionist ist größerer Künstler und bleibt für die Ewigkeit aufbewahrter als die mittelmäßige Schöpfung des Expressionisten, der nach Unsterblichkeit schaut.

Vielleicht besteht vor dem Urteil des letzten Tages Zolas schamlose, gigantische, stammelnde Nacktheit der Kraft besser als unser großes Ringen um Gott. Auch das ist Schicksal.

Vielleicht daß diese Kunst aber zu großen Dingen führt. Wir würden es tragen. Vielleicht daß wir zu niederen Dingen nur ausersehen waren und die Ziele nicht erreichen. Wir hätten auch dann Sinn gehabt. Wir hätten anderes vielleicht erst spät einbrechendes Große vorbereitet, das Niveau an großen Aufgaben geschult und einen tatsächlichen Stil der Epoche vorbereitet. Es wäre menschlich auch dies zu tragen.

Hier haben wir kein Wissen. Das steht bei Gott, der uns anrührte, daß wir schufen. Wir haben kein Urteil, nur Glauben. Wir dienen auch im Geringen.

Auch dies ist unsterblich.

Nachwort

Die beiden Versuche entstanden auf Anregung zweier Reden, die gesprochen wurden, um ein Bild zu geben, einen Zustand darzustellen, keineswegs um ein Programm zu postulieren. Die Rede über den Expressionismus wurde gehalten im Dezember Neunzehnhundertsiebzehn vor der „Deutschen Gesellschaft“ und dem „Bund deutscher Künstler und Gelehrter“. Die Rede über die dichterische deutsche Jugend im Mai Neunzehnhundertachtzehn in Stockholm, Göteborg, Lund.