Der Trinker biß die Spitze von der Zigarre ab, indem er Johannes wie ein Folterknecht angrinste. »Na, wird's bald?« fragte er zwischen den Zähnen.

Die Abendsonne legte einen roten Heiligenschein um den lockigen Christuskopf des Idioten. Er stand da, die Hände um die Mütze gefaltet, die Augen wie ein Verschmachtender auf die Zigarre gerichtet. Seine Lippen bewegten sich; aber es kam kein Ton. Er hatte schon tagelang nichts zu rauchen gehabt, und eine ganze Zigarre hatte er schon seit Wochen nicht sein eigen genannt; er zitterte vor Gier nach dem so lange entbehrten Genuß. Dieser Zigarre gegenüber unterlag er der Versuchung, das fühlte er. »Johnche,« flüsterte er mit versagender Stimme, »hab schon was jesacht. Hast bloß nich jehört, hast bloß nich jehört.«

»Das ist nichts. Das gilt nicht,« grinste der Trinker.

Pfarrer bebte wie Espenlaub, und seine Zähne schlugen leise klirrend zusammen. »Er – er – ist, ist – ein Esel!« stieß er plötzlich ganz kreidebleich hervor, als John schon dabei war, ein Streichholz zu entzünden, und fast schreiend setzte er hinzu: »Aber nur ein ganz kleiner, nur ein ganz kleiner!«

John wollte lachen und konnte nicht. »Das war noch nichts Rechtes,« sagte er beinahe verlegen, »aber für diesmal wollen wir es gelten lassen. Hier!«

Johannes pflanzte die Zigarre glückselig in den Mund. John gab ihm Feuer.

Obgleich dieser mit den beiden Schwachsinnigen gern allerhand seltsame und boshafte Experimente vornahm, tat er doch mehr für sie als ihre nächsten Anverwandten. Wenn sie sich bei ihm über die Haushälterin beklagten, ging er auf der Stelle hin und stellte sie unter den heftigsten Drohungen zur Rede. Die sonst sehr unerschrockene Person hatte einen gewaltigen Respekt vor John, ja, sie zitterte förmlich vor ihm, da sie ihn zu allem fähig hielt. Zweimal in jeder Woche ging er im rosa Häuschen das Essen kosten. War es nicht gut, dann bekam die Haushälterin die Drohung zu hören, daß er sie wegen Veruntreuung und Diebstahl anzeigen werde. Johannes und Markus bewunderten Johns Mut aufs tiefste; er war ihr Held, ihr Ideal. Und da er sie, die ewig Hungrigen, oft satt machte, darum liebten sie ihn wie einen Vater und nahmen seine Neckereien und Quälereien so ruhig und ergeben hin, wie der Türke die Schicksalsschläge.

Die Abendsonne glitt langsam am glasblauen Himmel herab, glutrot und groß. Johannes hatte sich neben John auf den Tisch gesetzt und dampfte wie ein Pascha. Er wäre jetzt der glücklichste Mensch der Welt gewesen, wenn er nicht die Gotteslästerung hinter sich gehabt hätte. »Johnche,« fragte er leise, »meinst, er hat jehört? Meinst? Meinst?«

»Was wird er nich jehört haben?!« entgegnete dieser. »Der hört doch alles!«

»Johnche, du lachst ...?«