Dore errötete vor Ärger und Enttäuschung. »Sie sind mir erst e Koboldche,« sagte sie vorwurfsvoll.

»Ich bin Ihnen erst e Koboldche,« spöttelte er.

Die Litauerin wurde noch röter und ging stracks in ihr Zimmer, die Tür hinter sich zuknallend.

Nach einer Stunde bekam sie das große Geheimnis zu wissen. John beabsichtigte, ein Schriftstück zu verfassen, in dem er die ganze Welt vor dem Trinken warnte. All seine Qualen wollte er darin schildern und all seine Todesangst. »Wer das lesen wird,« sagte er, »der wird nie, nie mehr zuviel trinken, das kannst du mir glauben, Dore. In allen Zeitungen soll es stehen, auch in den kleinsten.«

»Das is mal scheen,« sagte Frau Kalnis, bis zu Tränen gerührt, »Sie werden auch noch im Himmel kommen.«

»Will ich gar nicht,« brummte er. »Hier will ich bleiben und gesund werden. Und was ich zu schreiben beabsichtige, das soll hier, rot gedruckt, über dem Sofa hängen.« Er klatschte mit der Hand auf die Wand. »Du sollst mal sehen, Dore, wie mir das gut tun wird, wenn ich das so tagtäglich vor Augen haben werde. Das wird mir schon das Trinken abgewöhnen.«

»Vel–leicht« ... zerrte sie unter krampfhaftem Gähnen heraus.

»Aber für heute wollen wir es genug sein lassen,« sagte er dann, das Papier mit dem schief und zittrig geschriebenen Datum von sich schiebend. »Sowas will erst ordentlich überlegt sein.«

»O – ja!« erwiderte Dore, langsam mit dem Kopfe nickend, und warf sich einen geheimnisvollen Blick im Spiegel zu.

Neuntes Kapitel