Die Fenster des Eßzimmers standen offen, und der Regen trommelte eintönig auf den Blechen. Die vielen Blumentöpfe, die Frau Zarnosky auf der Veranda stehen hatte, erweckten im Zimmer den Glauben, daß draußen ein schöner Garten sei. John hockte fröstelnd am kalten Ofen, drehte die Daumen umeinander und ließ keinen Blick von der halbvollen Flasche Kognak, die auf dem Büffet stand. Außer ihm war niemand in der Wohnung als Amalie, die in der Küche saß und Kartoffeln schälte. Frau Zarnosky war aus, und die Jungen waren in der Schule. John drehte die Daumen umeinander, wie gebannt auf die Flasche starrend. Was für eine Seligkeit müßte es sein, dachte er, jene Flasche auf einen Zug leeren zu dürfen!

Alles, was er an Spirituosen besaß, stand jetzt in Dores Schrank; so hatte er es haben wollen. Frau Kalnis hatte ihm schwören müssen, fest und unerbittlich zu bleiben, wenn er mehr Alkohol von ihr verlangte, als er sich selbst zum langsamen Abgewöhnen zudiktiert hatte. Den Schlüssel zum Schrank mußte sie entweder bei sich tragen oder so verwahren, daß er ihn nie entdecken konnte. Auch sein Taschengeld wanderte jetzt in jenen Schrank, und Dore sollte das Ganze behalten dürfen, wenn es ihr gelang, ihrem Herrn das Trinken abzugewöhnen.

Es war ein stiller, kühler Sommertag. Der Regen klopfte eintönig auf den Blechen, und langsam und feierlich begannen die Glocken der nahen Kirche zu läuten. »Trink, trink ...« sagte der Regen. »Nein – nein ...« sagten die Glocken. John glaubte, den größten Durst seines Lebens zu verspüren. Langsam erhob er sich.

Doch dann ging er zur Verandatür, um angestrengt hinauszustarren. Aber er sah kaum, was vor ihm lag, er sah immer nur die Flasche; sie schien überall zu stehen, wohin er auch blickte.

Das war eine Versuchung, wie sie schlimmer nicht auszudenken war. Wenn er nicht unterliegen wollte, so mußte er sich schleunigst aus dem Staube machen, fliehen. Doch er floh nicht. Ja, er blickte sich um und lächelte die Flasche an, wie ein krankes Kind.

Ach, es war ja schon einerlei, ob er jenen Kognak austrank oder nicht, sterben mußte er ja doch. Mit einem Satz war er am Büffet und riß die Flasche an sich.

»Nein – nein ...« sagten die Glocken. Sie klangen so furchtbar ernst, so düster warnend. John merkte, daß sie zu einem Begräbnis läuteten und setzte die Flasche wieder hin.

Er wollte nicht sterben – nein, nein! – – Wie der Kognak glänzte! – – Nur einen Schluck ...

»Trink, trink ...« sagte der Regen.

Die Flasche glich einem Magnet, der seine Hand unwiderstehlich an sich zog. Ehe er sich's versah, hatte er sie schon wieder in der Hand.