»Sie missen nich anzieglich werden, junger Herr,« sagte Frau Kalnis gekränkt, und nachdem sie eine Weile nach einer schärferen Entgegnung gesucht hatte, setzte sie mit frommem Hohn hinzu: »Wer eine kranke Leber hat, sieht innen immer noch schlechter aus, als einer, der se nich hat.« Darauf las sie hurtig weiter und gelangte bald zu der Strophe: »Und der Geist und die Braut sprechen: Komm! Und wer es höret, der spreche: Komm! Und wen dürstet, der komme, und wer da will, der nehme das Wasser des Lebens umsonst.«

»Halt, halt!« rief John erregt nach diesen Worten, »mich dürstet, mich dürstet immer! Wohin soll man da kommen, Dore? Ich geh' gleich dahin.«

»Na, nach's neie Jerusalem doch wohl,« meinte die Wärterin. Und dann maliziös: »Aber Sie heren doch, junger Herr, daß da nichts als Wasser anjeboten wird.«

Der Trinker verzog das Gesicht. »Wasser – brr ... Aber Wasser des Lebens, Dore, das schmeckt vielleicht besser als die feinste Mischung, das stillt vielleicht für immer den Durst.«

»Kann sein! Aber wollen Se jetzt nich schlafen, Herr Johnche?«

»Ich kann nicht.«

»Na versuchen Sie's doch man erst.«

»Nein ... Ich möchte wissen, wozu ich gepaßt hätte, wenn ich nicht immer den Durst gehabt hätte?«

»Das fragen Se mich immer, wenn Se einen jetrunken haben.«

»Und Sie wissen nie eine Antwort darauf. Was ihr sagt, ist alles falsch.«