»Ich her nichts,« entgegnete die Wärterin.
»Musik!« flüsterte er. »So traurig und so schön! Wie von vielen Wassern – – Wie von großen Wäldern – – Wie von Stürmen – – So schwer und so tief und so traurig schön!« Nach diesen Worten öffnete er rasch die Augen und sagte wie in einer plötzlichen Erleuchtung: »Weißt du, wozu ich gepaßt hätte, Dore?«
»Na?«
»Ich hätte Musik machen können.«
»Jewiß,« bestätigte die Wärterin, »was konnten Se doch bloß scheen d'n Flohwalzer spielen.«
John kicherte nervös vor sich hin; ein Kichern das wie ein Schluchzen klang. »Du hast es getroffen,« flüsterte er, »auf d'n Flohwalzer kommt es an.« Dann seufzte er tief und schloß die Augen.
Die Wärterin ließ ihr Strickzeug in den Schoß sinken und sah ihn an. Und es kam ihr vor, als verändere sich sein Gesicht, während sie ihn unverwandt anblickte. Sie saß wohl eine halbe Stunde so, das Strickzeug im Schoß. »Er jefällt mir gar nich,« murmelte sie, als Frau Zarnosky ans Krankenbett kam.
»Er schläft doch so schön,« sagte die Mutter.
Und die beiden Frauen standen und blickten stumm auf den Schläfer. Sie glaubten eine Ewigkeit so zu stehen, wie von unsichtbaren Mächten festgehalten. Draußen plätscherte der Regen, draußen war das Leben. Und im Zimmer war der Tod, das fühlten sie nun alle beide. John lag ganz still. Doch plötzlich wurde er unruhig: und während ein krampfhaftes Zucken durch seinen ganzen Körper lief und sein Gesicht sich verzerrte, schlug er die Augen auf und suchte mit großen, angstvollen Blicken die Mutter; er schien etwas sagen, etwas rufen zu wollen. Frau Zarnosky beugte sich tief zu ihm herab; aber er sagte nichts, konnte nichts mehr sagen. Sein Kopf sank ein wenig zur Seite, die Lider schlossen sich zur Hälfte über den glasig werdenden Augen – ein Röcheln, ein Ausstrecken, der Gesichtsausdruck wurde friedlicher – starr: John war tot.