„Ich will nicht! Ich will nicht!“ stammelte sie. Leise lachte er auf.

„Sie hat’s nicht erwarten können,“ dachte er und fand sie schöner und begehrenswerter als je in dem klösterlich strengen Gewande.

– Paul Karlsens schneller Entschluß, sie in das Musikzimmer und nicht, wie er das ursprünglich beabsichtigt, in sein Herrenzimmer zu führen, erwies sich als sehr klug. Die Bildnisse der Meister edler Tonkunst, die von den Wänden herab grüßten, wirkten beruhigend und anheimelnd auf Eva von Ostrieds Fassungslosigkeit. Sie empfand plötzlich ihre Anwesenheit hier nicht mit quälendem Vorwurf. Es blieb ungewöhnlich. Jedoch auch nichts weiter.

Paul Karlsen neigte sich mit ritterlicher Besorgnis zu ihr herab. „Ist es Ihnen auch zu feierlich bei mir, Fräulein von Ostried?“ Sie hob den Blick frei zu dem seinen.

„Hier weht Heimatsluft, Herr Karlsen. Uebrigens – war ich nicht auf dem Wege zu Ihnen.“

„Ah,“ machte er.

Sie errötete, weil sie fühlte, daß er ihr nicht glaubte. Sollte sie ihm von ihrem eigentlichen Vorhaben, dessen Ausführung sein Gesang nur verzögert haben würde, erzählen? Sie brachte es nicht über die Lippen. Einen Augenblick saßen sie sich schweigend gegenüber. Dann sagte sie, in ehrlicher Bewunderung umherschauend:

„Wie wunderschön Sie es haben, Herr Karlsen! Die Goldader, von der Sie sagten, muß wirklich ergiebig sein.“ Er nickte zufrieden.

„Unerschöpflich fließt sie sogar. Wir haben einen Diener, eine Köchin und noch mehrere beigeordnete Untertanen im Hades der Küche, die ich freilich noch nicht zu Gesicht bekommen habe.“

Er zählte es mit der Wichtigkeit und dem Stolz eines fröhlichen Jungen her, der sich sehr wohl in den neuen, glanzvollen Verhältnissen fühlt. Eva von Ostried war nicht neugierig. Sie hätte aber dennoch gar zu gern gewußt, wie ein Schicksalsgenosse, von dessen Schulden man sich in Oeynhausen Wunderdinge erzählte, plötzlich zu diesen Märchendingen gekommen war.