Der Amtsrat sah das bleichgewordene Gesicht seines Neffen und nickte ihm fast väterlich zu, obwohl sie sich bisher merkwürdig fremd gegenüber gestanden hatten. „Nimm’s nicht tragisch, Junge. Wir ändern ihn doch nicht mehr,“ sollte es heißen. Dann zog er die Stirnhaut empor, wodurch er sich schon als Sechsjähriger unter seinen Brüdern eine besondere Achtung verschaffte und kniff ein wenig die Lippen ein, als schlucke er eine bittere Arznei. Aber er wurde damit fertig!

„Du hast’s wirklich verteufelt eng und dunkel in Berlin, Bruder. Davon habe ich mich ja vor ein paar Wochen selbst überzeugen müssen. Aber dein Junge solls und kanns diesmal nicht ändern. Das siehst du bei ruhiger Ueberlegung auch ein. Ich mache dir einen vernünftigen Vorschlag. Packe deinen Kram und zieh’ zu mir. Zwei Stuben kannst du ganz für dich haben und diese Veranda und den ganzen Garten, denn ich sehe auf dem Felde genug Grünes. Jawohl – meinetwegen auch noch das kleine Seezimmer dazu, obgleich ich mich daran gewöhnt habe. Nur den Jungen laß endlich von der Leine!“

„Ich geh’ nicht raus aus Berlin,“ knurrte der Major eigensinnig.

„In deiner Lage ist das ein Wahnsinn, Richard.“

„In meiner jetzigen – vielleicht! Darum soll sie eben auch geändert werden. Walter kann leicht und angenehm das dreifache verdienen, wenn er nur mal ruhig nachdenkt. Wir mieten uns nachher irgend eine kleine Villa. Ich kann mir einen Diener halten. Und das Leben wird wieder einigermaßen anständig.“

„Du hast mir bereits neulich etwas derartiges angedeutet, Vater. Ich faßte es keinen Augenblick als Ernst auf.“

„Darum habe ich mir die Wiederholung bis heute aufgespart. Onkel soll zuhören. Nicht wahr, Wilhelm,“ wandte er sich an den Amtsrat, „ein guter Rechenmeister warst du immer.“

„Ich rechnete aber für mich und mit mir als Verdiener, mein Lieber.“

„Soll das ein versteckter Vorwurf sein?“