„Aus eigener Kraft?“
„Ich glaube, ein glattes Bejahen gäbe ein falsches Bild. Mein Studium wurde billiger, als ich es mir ausgerechnet hatte. Ein paar tausend Mark erübrigten sich davon. Und der Rest? Weißt du, es mag einer so viel auf Berlin schelten, wie er Lust hat. Ein Gutes bringt es zweifellos. Erwerbsmöglichkeiten, an welche man selbst in einer größeren Mittelstadt gar nicht denken würde. Einige, die ich benützte, mögen nicht gerade standesgemäß gewesen sein. Daß sie durchaus anständig waren, bedarf nicht der Zusicherung. In der Hauptsache verdiente ich durch Repetitorien. Mir saß alles noch frisch im Gedächtnis. Da habe ich ein halbes Dutzend Referendare zum Examen eingepaukt. Sie schafften es und das brachte mir weitere. So ist eigentlich nicht mal ein Wunder dabei gewesen.“
„Und du meinst, daß dein Vater jetzt endlich gelernt hat, mit dem Seinen auszukommen?“
„Bisher habe ich den Gedanken an neue Schulden nicht haben können. Er hat ja doch gesehen, wie ich schuften mußte. Vorhin wurde ich allerdings stutzig. Hattest du nicht auch das Gefühl, als schleppe er an einer Last, die er überängstlich zu verbergen versucht?“
„Ich schob das auf die Erinnerung an Lieselotte.“
„Die wirkt ganz anders! Danach kommen Stunden, in denen er sich einschließt und nachher trinkt.“
„Und das ist nun deine Jugend!“
„Meine eigentliche Jugend ist der unerschütterliche Glaube an eine gute Zukunft.“
„Du hast eine von Herzen lieb, nicht wahr, mein Junge?“