Lachten sie etwa gemeinsam über sie? Hatte er ihr von jener Stunde erzählt, die sie neben ihm in seinem Musikzimmer verbrachte oder die Komik jener andern geschildert, die sie zum Hüter seiner ehelichen Treue machen wollte? –

Ihr schossen die Tränen der Empörung in die Augen. Zum ersten Male spürte sie ein starkes Verlangen nach einer Hand, die sie an diesem allen vorüber, in die Stille und Klarheit führen und dort festhalten würde.

– – Karfreitagsehnen! Unbeschreibliches Verlangen nach Glück und Frieden! Heiligste Verzückung! Lossprechung von aller Schuld! Sei heilig!

Der Lichtschein aus der Höhe erfüllte den Gral mit hellstem Erglühen. Die Andacht war vollendet!

Eva von Ostried ahnte nicht, daß sie tränenüberströmt, in zitternder Ergriffenheit fassungslos auf den sich langsam senkenden Vorhang starrte. Sie merkte erst, daß sie gehen müsse, als sich leise eine Hand nach der ihren tastete.

„Kommen Sie, Kind. Sonst sperrt man die heiligen Tore zu.“

„Sie sind’s, Meister?“ Zutraulich schob sie ihren Arm unter den seinen. „Jetzt gehen wir ein wenig an den Hildebrand-Brunnen, ja?“

Er wäre gern dorthin und überall weiter in dem weichen, fließenden Grau dieser Dämmerstunde mit ihr gewandert, aber ein Dritter war plötzlich neben ihnen und ließ sich nicht wegschieben.

„Baron Alvensleben!“ bequemte sich Ralf Kurtzig endlich seinen Namen zu nennen. – Nun waren sie zu Dreien! Es war kein Zauber mehr dabei. Alles sah nüchtern und verwaschen aus, denn der Regen rieselte leise aus der Luft herab. Das gewahrte Eva von Ostried erst jetzt.