„Nett, daß er auch die Stimme erwähnt,“ mußte sie denken und wollte auffahren. Damit hätte sie sich indes nur lächerlich gemacht. Und, was die Hauptsache blieb und wohl ewig bleiben würde, solange es Kunst und Künstlerinnen auf der Welt gab, sie mußte jetzt Geld verdienen.
„I lass’ Ihnen den Vertrag fein ausfertigen und schick’n nach Berlin.“ Das letzte Wort sprach er mit einer leichten Senkung in der fetten Stimme, die seine Verachtung für die von ihm gemiedene Stadt beweisen sollte.
„Ich danke Ihnen, Herr Sendelhuber.“
Sie wollte allein sein. Eine schwere Müdigkeit drückte ihr die Lider zu. Weil er nicht Miene machte, aufzustehen, überwand sie sich und reichte ihm, über den Tisch, die Hand hin. Er war zu sehr mit dem Einschrauben seines Füllfederhalters beschäftigt, als daß er sie etwa aus Nichtachtung übersehen haben könnte. Lächelnd ließ sie sie sinken.
„Nun er mich sicher hat, ist das ja auch überflüssig.“
Endlich war er fertig.
„S–o, jetzt will i noch meine geröhste Kartoffeln eß’n und dann für heut genug. A Wort noch, Freilein! Pfi–it! I muß ja noch a Depesch’n geb’n! An die Gret Melchenhuber oder Margarete Kolwinirgers, wie sie sich zu nenne beliebt. A schlaues Luderchen. I bin aber scho allemal a Minut vor ihr aufg’wacht. – Also, Freilein, nix übelnehmen. Aber Sie sollten a bessere Zeugmach’rin nehmen. A Adress’n kann i gern geben.“ Und er suchte wieder in seinem Notizbuch. „Bestell’n Sie a schönen Gruß von mir. Dann pumpt’s halt gern.“
Sie lachte nun auch. Es machte sie noch reizvoller. Blitzschnell fuhr er mit der roten Zunge über die wulstigen Lippen.
„Na also! Wir verstehe uns scheint’s doch ganz gut mitsamm’n. I hab’ die Aehre, Freilein und mit dem Zuschicken bin i pünktlichst.“