Nein, sie allein kannte das Geheimnis ihrer Schuld. – Er merkte auch nichts von ihrer Erregung. Er freute sich nur dieser Minuten.

„Ja, die alte Pauline! Ist sie nicht etwas ganz besonderes? Justizrat Weißgerber empfahl sie mir, als ich ihm hilflos und, wie ich ehrlich gestehen muß, eines Tages halb verhungert den üblichen kurzen Wochenbericht über den Stand unserer Arbeit gab. Sie fühlte sich in ihrem Feriendasein totunglücklich und hatte den Justizrat als alten Gönner gebeten, ihr wieder angemessene Beschäftigung zu besorgen. Als er meine Not sah, schickte er sie zu mir und siehe, wir schieden nicht mehr von einander. Seitdem verwöhnt sie mich auf eigentlich unerlaubte Art.“

Eva von Ostried wollte etwas erwidern – ebenfalls eine Freundlichkeit über sie anfügen – eine Frage nach ihrem Ergehen tun – Ihre Kehle blieb wie zugeschnürt. Vor ihr stand das Gespenst des Abschiedtages aus der Villa der Präsidentin und lähmte ihre Zunge. Sie hatte es schlafend gewähnt. Nun erhob es sich und zerstörte ihr Leben.

„So mußte es wohl kommen, daß sie mir auch von Ihnen berichtete.“

„Was hat sie gesagt,“ stieß Eva von Ostried hervor.

„Ja, was wohl, gnädiges Fräulein? Wollen Sie das wirklich hören?“

Nun wußte sie, daß die Treue, gleich den andern, ahnungslos geblieben war.

„Sie sah immer nur das Allerbeste,“ lenkte sie ab und stand auf.

„Soll ich sie nicht wenigstens grüßen?“ fragte er.