Ja, das würde es sein! Hätte er ihr sonst diesen Brief senden können? Darum mußte sie nun doch zu der vorgeschlagenen mündlichen Besprechung gehen.

Sie zerpflückte ihre Antwort. Ihr Gesicht wurde hochmütig. Ihre schlanke Gestalt reckte sich auf. Er sollte seinen Irrtum sehr schnell einsehen!

Als sie ihm gegenüberstand, fühlte sie ganz klar, daß alle Unruhe durch ihn gekommen war. Sie hätte vor Scham aufschreien können und lächelte doch wie eine leblose Puppe, die Hand, die er ihr zum Gruß entgegenstreckte, übersehend.

„Darf ich bitten, daß wir uns möglichst kurz fassen. Ich bin heute sehr eilig, Herr Rechtsanwalt!“

Er sah sie erschrocken an.

„Gnädiges Fräulein, habe ich Sie neulich irgendwie verletzt?“

Jetzt lachte sie hell auf.

„Im Gegenteil, Herr Rechtsanwalt, Sie haben einer Klientin durch Ihre private Freundlichkeit mehr Zeit geopfert, als es klug war.“

„Soll das ein nachträglicher Vorwurf sein, weil ich Sie zu lange in Anspruch genommen habe.“