„Es ist mir schwer genug geworden – aber ich konnte.. nicht anders,“ sollte es heißen.
„Warum nicht? Was hielt Sie zurück, der Stimme Ihres Gewissens zu folgen. Denn ich hoffe, daß es sich geregt hat.“
„Ja – das tat es. Ich hatte mich bereits zur schriftlichen Absage durchgerungen. Da hörte ich den Gesang der Philine. Das reizte mich, der zu Unrecht auf ihr Können Eingebildeten ihre Mängel zu beweisen. – Sie hatte mich am Vormittag wie ein Kind behandelt, das nicht ernst zu nehmen ist.“
Die Präsidentin zwang sich zur Ruhe.
„Es bleibt mir unerklärlich, wie man dort überhaupt von Ihrem Talent erfahren hat oder sollten Sie anläßlich der häufigen Theaterbesuche, längst innige Freundschaft mit den Verschiedenen gepflegt haben, von welcher ich natürlich ebenfalls nichts wissen durfte?“
Eva von Ostried richtete sich empor. An dem offenen Blick merkte die Präsidentin, daß diese Annahme falsch sei.
„Ich kannte bis gestern persönlich nur Herrn Karlsen, der mir auch jedesmal die Karte für die Vorstellungen ausgehändigt hat.“
„Dann berichten Sie, wie man auf Sie als Ersatz der eigentlichen Mignon kommen konnte.“
„Herr Karlsen teilte mir heute Mittag in höchster Aufregung den Unfall des Gastes mit, als ich mir die Karte zur Abendvorstellung besorgen wollte. Gleichzeitig schilderte er mir den großen Ausfall für die Schauspieler, weil die gezahlten Preise zurückerstattet werden mußten. Erfahrungsgemäß werde an einem der alten und ältesten Lustspiele wenig verdient, sondern lediglich mit einer guteingeübten Oper. Der Direktor aber müsse nun noch außerdem der anspruchsvollen Philine das vereinbarte Spielhonorar zahlen. Dies traurige Ereignis vernichte wiederum die stille Hoffnung aller auf eine endliche Aufbesserung ihrer Verhältnisse.“