Der Amtsrat unterbrach ihn kurz. „Nein, durchaus nicht! Sie war eine geborene Hafermatz aus Kölpin, Tochter des derzeitigen Wirtschaftsbeamten. Meine Weisheit hat einen andern Ursprung. Ich weiß das von einer, die auch mal um dieses Geld eingekommen ist, weil damit ihr schwacher Körper wohl noch auszuheilen gewesen wäre. Eva von Ostrieds Mutter hatte sich nämlich nach vielen und harten Gewissensnöten zu diesem Ersuchen entschlossen. Sie tat’s ihrem Kinde zu Liebe. Die Antwort war eine Woche später eine bestimmt verneinende.“

„Dann haben also bereits bei der Vorberatung, die schriftlich erledigt werden kann, die Mehrzahl der Familienmitglieder den Antrag abgelehnt.“

„Jedenfalls wird es so gewesen sein.“

„Wir brauchen nicht Verstecken mit einander zu spielen, Herr Amtsrat. Mein Vorgänger war kein Mann, dem man solche Zuwendungen machen durfte. Unser Hausgesetz verlangt ausdrücklich einen tadellosen Charakter oder um mit seinen Worten aus dem Jahre 1800 zu sprechen: Es muß eine feine und ritterliche Familie sein, der früher und auch jetzo nichts anzuhängen gewesen ist.“

„Sie sprechen da plötzlich von dem Manne. Ich habe nie gehört, daß dem damaligen schönen Ostried irgend ein Organ schwach geworden wäre. Hier handelte es sich um die Frau, die über jedem Zweifel erhaben stand.“

„Was der Mann tut, darstellt oder unterläßt, fällt in der Ehe allemal auf die Frau zurück. Auch darüber gibt es natürlich Bestimmungen.“

„Ein schönes Familiengesetz, das so was vorschreibt.“

„Darüber wollen wir nicht streiten, Herr Amtsrat.“

„Sie haben Recht. Einem Gaul, der ein Kleber ist, bringt ja auch kein Schenkeldruck von der Stelle, wenn er nicht schließlich selbst will.“