Die Präsidentin erschrak.

„Und Sie lieben ihn?“ Eva schüttelte den Kopf.

„Bisher war er mir gleichgültig. Seitdem er das gewagt hat, verachte ich ihn. Daß er es tun durfte – hat mir das Glücksgefühl nach dem gestrigen Abend vollends ausgelöscht. Sagen Sie mir, daß so etwas nie – nie wieder möglich sein wird. – Ich ertrüge es kein zweites Mal.“

„Damit würde ich etwas behaupten, an das ich selbst nicht einen Augenblick glaube.“

„Sie sind also überzeugt, daß die Kunst, wenn sie auch als etwas Reines und Hohes empfunden und ausgeübt wird, vor solchen Uebergriffen nicht schützt?“

„Ich hätte Sie für reifer gehalten, Eva! – Das sind die Fragen eines Kindes.“

„Wissen Sie, was ich bei diesem entsetzlichen Kuß gefühlt habe? Daß ich imstande wäre, meine geliebte Kunst zu opfern – wenn mir später das gleiche geschehen würde.“

Und sie legte, wie ein furchtsames Kind erschauernd ihr heißes Gesicht in die weichen Hände der Präsidentin.