„Ich habe dich lieb,“ sagte sie mit rührender Schlichtheit.
Er hatte genau gewußt, daß sie dies erwidern würde, wie sie ihm überhaupt keinerlei Ueberraschungen zu bereiten vermochte. Auch diesen wirklich netten Ausputz hatte er ganz bestimmt erwartet. Es rührte ihn gewiß, aber langweilig blieb die ewig gleiche, dienende Unterwürfigkeit und Anbetung dabei doch.
„Du bist ein gutes, liebes Tierchen,“ lobte er freundlich, „erwähle dir eine Extrabelohnung.“
„Darf ich sehr unbescheiden sein, Paulchen?“
„Wollen mal sehen,“ machte er lässig.
„Dann lies mir, nachdem wir gegessen und du dich gründlich geruht hast, etwas vor. Besondere Wünsche wage ich nicht. Deine Stimme erfüllt ja alles, auch das, was mich früher nicht fesseln konnte, mit unvergleichlichem Glanz.“
Es schmeichelte seiner Eitelkeit. Aber – ihr vorlesen – gräßlich langweilig! Neue Hinweise fand die gute, kleine Frau doch nicht heraus. Lernen konnte er also dabei nichts. Im voraus fühlte er ihre grenzenlose Bewunderung – sah förmlich, wie sie, überwältigt von seiner Begabung, in Tränen ausbrach und schließlich ihre Arme um seinen Hals schmiegen wollte.
Da war die kleine Teufelin, das Evachen, eine andere Zuhörerin. Die junge Dresdener Künstlerin hatte neben ihm in den Meistersingern gewirkt. Nun weilte sie zwar längst wieder an ihrem Hoftheaterchen und zeigte vorläufig nicht die geringste Lust, dies gegen ein anderes, und sei es selbst dasjenige, an dem er glänzte, einzutauschen. Heute war sie auf der Durchreise in Berlin und, wie ihm ihr Telegramm mitteilte, gern bereit, ihm im Esplanade ein langbemessenes Plauderweilchen zu gewähren.
„Schön,“ sagte er endlich gönnerhaft, als sei er nun mit dem Nachdenken fertig, „was nehmen wir also? Goethe, ja? Ein bißchen sollst du noch vor Tisch naschen!“
Sie nickte mit leuchtenden Augen – und wartete.