„Und jetzt...“

„Sie wollen mir sagen, daß er tot ist, nicht wahr?“

„Sie wissen bereits?“

„Ich habe alles gelesen,“ antwortete das Mädchen.

Sie schauerte zusammen. „Ich habe ihn verachtet – ihm geflucht – und doch – im innersten Herzen liebte ich ihn weiter. Warum das sein muß, weiß ich nicht. Ich schämte mich, daß ich mich heimlich von ihm küssen ließ, daß ich den Meinen Kummer und Schande machen mußte. Ich löste mich eines Tages von ihm, schlug und spie nach ihm, und habe doch immer nach seinem Anblick Sehnsucht gehabt. Keinem könnte ich das sonst sagen, wie Ihnen. Als ich ihm folgte, wollte ich nichts anderes, als daß er mich bald zu seiner Frau machen würde. Daß er nicht mehr frei war, erfuhr ich viel später. Seitdem hat er mich nicht mehr berühren dürfen. Tagelang habe ich gehungert, weil ich sein Geld verachtete; denken Sie doch, das Geld seiner Frau! Kannten Sie sie? Ja? Wie sah sie aus? Ich denke sie mir wie ein Kind, das weder einen eigenen Willen noch ein eigenes Leben hatte.“

„So ist sie wohl gewesen?“

„Ihr Vertrauen zu ihm muß grenzenlos gewesen sein. Darüber wurde eines Tages in dem Kreis, in den er mich einführte, hinter seinem Rücken viel gespöttelt. Dadurch habe ich davon erfahren....“

„Nur darum ist sie schrankenlos glücklich gewesen und auch geblieben, Gretchen.“

„Glauben Sie an ihr Glück?“